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- WEITERLAUFENDE TENDENZEN -
Endgültige Aufzehrung der „Montagssubstanz“
Über 40 Jahre ist es her, daß der Schützenausmarsch vom Montag auf den Sonntag verlegt wurde. Aus heutiger Sicht war diese Entscheidung ein verheerender Fehler. Wenn die Hannoveraner jenen Montag vormals inoffiziell wie einen Feiertag handhabten, die Kinder schulfrei hatten (sofern der Tag nicht in die Sommerferien fiel), dann muß sich die gesamte Einwohnerschaft des Grundes auch bewußt gewesen sein. Folglich strömte alles zur Strecke, um das große Ereignis nicht zu verpassen. Aus den geneigten Zuschauern rekrutierten die Schützenvereine und Musikzüge jedes Jahr viele Neumitglieder. Es war ein Perpetuum Mobile. Nach der Wochentagsverschiebung 1974 konnte der Schützenausmarsch noch lange von der sehr tiefen Verankerung und engen Verflechtung in der Stadt zehren. Aber ein ohnehin freier Sonntag schaffte es unmöglich, die Stellung als „Pflichttermin“ aufrechtzuerhalten. Zuschauer, hannoversche Schützen und Vereine begannen in ihren Zahlen zu schrumpfen. Nun lichten sich auch die Reihen der Zeitzeugen, die in ihren Familien etwas von der ursprünglichen Wichtigkeit des Schützenausmarschs weitervermittelten. In der näheren Zukunft werden die letzten Reste des Montags-Spirits versickern. Neue Generationen treten ein schweres Erbe an. Der vermeintlich so perfekte Sonntagstermin kommt eigentlich nur auswärtigen Teilnehmern entgegen, vermag jedoch nicht die Stadtgesellschaft zu binden, und was in der Heimat mehr oder weniger verschmäht wird, läßt sich dann für Marketing oder als Touristenattraktion auch schlecht gebrauchen. In den 1990er Jahren hätte vielleicht noch zum Montag zurückgekehrt werden können, heute wäre dies als konstruiert wirkende Maßnahme nicht mehr vermittelbar. Jetzt muß man sich auf die veränderten Umstände einstellen und mit ihnen arbeiten.
Zuschauerentwicklung
Ein eindrucksvolles Video belegt, daß die Streckenränder noch 1995 dicht und mehrreihig gesäumt waren. Danach setzte eine Leerung ein, die ihren katastrophalen Tiefpunkt wohl gegen Mitte der 2010er Jahre erreichte, als etwa die Luisenstraße völlig zuschauerfrei blieb. Bei solchen Zuständen fühlen sich sowohl Teilnehmer als auch Zuschauer unwohl, und für Hannover bedeutet es eine Schande. Die Gründe für den Abwärtstrend sind ungeklärt. Am demographischen Wandel kann es nicht hängen. In den Fußballstadien liegen die Zuschauerschnitte heute doppelt so hoch wie in den 1980er Jahren. Nach wie vor leben im Einzugsgebiet Hannovers soviele Deutsche, daß überschäumende Zusammenkünfte in riesiger Größenordnung machbar wären! Auch die enorme Ausweitung an Unterhaltungsmöglichkeiten dürfte nicht ursächlich sein. Anderswo erfuhr Straßenbrauchtum nämlich im selben Zeitraum einen unheimlichen Aufschwung, z.B. bei der Alemannischen Fastnacht in der Südhälfte Baden-Württembergs. Und wenn man sich überlegt, daß das Schützenfest Hannover mit dem Kölner Karneval und dem Münchner Oktoberfest ein geographisch, thematisch und zeitlich perfekt polarisiertes Dreieck der Brauchtumsgipfel bilden würde, fragt man sich, warum sich die beiden anderen Feste ungebrochen hohem Medieninteresse, großer Bekanntheit und starkem Zuspruch erfreuen, es nur in Hannover dermaßen den Bach runterging. Überregional könnte die verwaschene, verlotterte, gewisser­maßen provokant halbherzige Gestaltung von Schützenausmarsch und Schützenfest insgesamt abschreckend wirken. Seitens Bevölkerung der Stadt und des Umlands reicht aber auch das nicht als Annahme für den Boykottgrund. Man läßt doch wegen Unzufriedenheit nicht das Kulturgut der Heimat im Stich, sondern kämpft darum. Erklären wir es zur irrationalen Modewelle, daß im Raum Hannover ein Spektakel als ungenügendes Angebot betrachtet wird, welches erstens äußerst traditionsreich verwurzelt ist, zweitens mit der jährlichen Aufführung Seltenheitswert hat, drittens Rekordgröße besitzt, viertens vor der Haustür stattfindet, und fünftens keinen Eintritt kostet. Seit einigen Jahren kehrt sich der Trend ja auch wieder um. Von einer Kulisse wie 2018 werden die Teilnehmer schon beeindruckt sein. Auch ist die volkstümliche Bedeutung gegenüber dem Braunschweiger Schoduvel zumindest wieder ausgeglichen worden. Allerdings sind die Tribünen bisher nicht ausverkauft, klafft eine große Zuschauerlücke in der südlichen Waterloostraße, und erscheint auch die längere Streckenführung mit dem Schwenk über den Ernst-August-Platz noch zu riskant. Man kann aber damit rechnen, daß es - auf historisch niedrigem Niveau - aufwärts geht.
Schwerpunktverlagerung von Hannover auf Niedersachsen
Hier mal die Mitgliederzahlen einiger hannoverscher Schützenvereine für 1990: USG Ahlem 122, SG Badenstedt 130, SG Bemerode 127, SG Bothfeld 125, SVg Döhren 171, SG Hainholz 170, HJK 239, BSG Herrenhausen 125, SG Kirchrode 160, Linden 04 154, USG Misburg 177, NJK 337, SG Ricklingen 180, SV Stöcken 180, VfF 163, SG Wülfel 146. Das heißt nicht, daß sie soviele Marschierer beim Schützen­ausmarsch hatten, aber klein werden ihre Blöcke nicht gewesen sein. Und dabei existierten damals ja noch etliche inzwischen erloschene Vereine, wie SGH 79, SSVg 56, Celler-Straßen-Distrikte, Centrum, Davenstedt, Eichenblatt, Ernst-August, Fernrode, Freischütz, Grenzburg, Hahnenburg, Hannovera, DSC Hubertus, Jagd­sport 49, Kleeblatt, Diana List, DSG List, Marienwerder, Mittelfeld 51, Nieder­sachsen, Nordstadt 93, Oberricklingen, Preußen, Roderbruch, Viktoria. Allein in den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl heimischer Schützen und damit die Verankerung in der Stadt geschätzt um ein Drittel verringert. Es wäre heute gar nicht mehr möglich, den Schützenausmarsch rein hannoversch zu bestücken. Wie sähe das aus? Rund 50 ausnahmslos kleine und überalterte Schützenvereine mit insgesamt wohl unter tausend Köpfen würden von stilistisch nicht dazu passenden Marchingbands begleitet. Eine furchtbare Vorstellung. Offenbar tut man sich mittlerweile schon schwer, jährlich vier Bruchmeister zu finden (2018 stammten zweie aus dem gleichen Verein, und ein Dritter aus einem Nicht-VHS-Mitglieds­verein). Nur dank Unterstützung aus dem ländlichen Raum wird der Schützen­ausmarsch aufrechterhalten. Beteiligung aus ganz Niedersachsen sowie auch Westfalen muß zukünftig in immer stärkerem Maß erfolgen. Der Pool an einigermaßen gedeihenden Schützenvereinen und Musikzügen ist eigentlich auch wahrlich groß. Währenddessen beläuft sich der Ansturm auf ziemlich genau das, was wir auf der Strecke sehen; Absagen werden derzeit laut Interview-Äußerungen fast nicht erteilt. Demnach hat sich der Umgang mit den auswärtigen Vereinen und Gruppen zu ändern. Erstens muß man ihnen die Teilnahmemöglichkeit besser darlegen. Zweitens sollten sie nicht durch Zahlbeschränkungen oder Kosten­auflagen verprellt werden. Drittens wird man sich den derzeitigen Stil (u.a. Verblödelung der Schützen, ideologisch-politischer Mißbrauch, Vorbeiführung an Baustellen, ungeschmückte Strecke) nicht mehr lange erlauben können, sofern gleichbleibende Größe gewollt ist.



- DAUERKONFLIKTE -
Pferde beim Schützenausmarsch
Festumzüge sind wegen Pferdebeteiligung ständigen Anfeindungen von selbsternannten Tierschützern ausgesetzt. Hier einige Gegenworte:

1. Man kann der Meinung sein, daß Nutztiere nichtmal mehr zwei Stunden lang die Aufgaben versehen sollen, für die sie der Mensch überhaupt erschaffen hat. Schon unter manch andere Gepflogenheit haben wir nach Jahrtausenden einen Schlußstrich gezogen. Dann müßte die Kritik aber als breitangelegte Kampagne erfolgen, in der erklärt wird, warum Tiere gar nicht dem Menschen zu dienen hätten. Nur punktuell Pferde bei Festumzügen herauszugreifen, weil sie halt gut sichtbar sind, ist keine strukturierte Auffassung, die in die bestehende Ordnung eingebaut werden könnte.
2. Daß die Pferde bei einem Festumzug leiden würden, ist reine Spekulation. Mit besseren Gründen könnte man behaupten, eben dies mache ihnen sogar Spaß. Immerhin ist festzustellen, daß diese Tierart sich einst nicht dagegen sträubte, gezähmt zu werden, und daß keines der verwendeten Individuen Widerstand gegen das Training auf dem Weg zum streßgeprüften Reit- oder Kutschpferd leistete, denn sonst wäre es längst ausgemustert worden.
3. Im langsamen Gang wirken Pferde vom Gesichtsausdruck und der Körperhaltung her grundsätzlich mehr oder weniger traurig auf uns. Wer dies zum Anlaß nimmt, Leid zu wittern, projeziert in Wahrheit seine menschlichen Gedanken in Tiere hinein. Was nicht nur eine Respektlosigkeit gegenüber den Pferden darstellt, sondern auch gegenüber den Menschen im Umfeld des Festumzuges, die man letztlich nur mit seinen Ego-Problemen belästigt.
4. Der Streitpunkt bietet Kritikern eine sehr leichte Möglichkeit, sich subjektiv zur moralisch überlegenen Elite emporzuschwingen. Hierzu muß man in diesem Fall nur als Anwalt einer Klientel auftreten, die nicht sprechen kann. Siehe da, die Vermutung mit dem Leid scheint zu stimmen, und die Pferde freuen sich über die Unterstützung - so wird es einfach in den Raum gestellt. Dieses Gefühl, ver­meintlich gutherzige Hilfe zu leisten, gibt einem den Kick. Kommt noch dazu, daß man sich für die Veranstaltung generell nicht interessiert, läßt es sich nach Belieben hineinfuchteln, ohne eigene Einbußen befürchten zu müssen.
5. Es gibt millionenfaches, definitives, dauerhaftes Tierleid, welches jeweils nur einen geringen Nutzen für den Menschen hat. Herumgehackt wird jedoch auf angenommenem, vorübergehendem Leid weniger Tiere bei überaus großem Effekt für den Menschen. Hätte diese Vorgehensweise Erfolg, wäre den Tieren in der Gesamtheit nicht ansatzweise meßbar geholfen, den Menschen hingegen merklich geschadet. Aus diesem zu erwartenden Rechenergebnis könnte rückgeschlossen werden, daß die Kritiker eigentlich von ganz anderen Motiven getrieben sind. Wie dem auch sei, ihr Verhalten bedeutet auf jeden Fall die Verhöhnung allen tatsächlich vorhandenen Tierleids.
6. Selbst wenn den Pferden deren Tätigkeit nicht gefallen sollte, ist zu bedenken, daß Phasen der Unzufriedenheit zum Leben dazugehören. Erledigen wir Menschen nicht täglich lästige oder unangenehme Dinge, bringen wir nicht immer wieder Opfer (weil es in größeren Zusammenhängen doch Sinn hat)?! Für die Wildpferde in der mongolischen Steppe sind die dortigen sehr harten Bedingungen schon gar kein Zuckerschlecken. Die bei Festumzügen eingesetzten Pferde haben auch unter Berücksichtigung von Training und Fahrten immer noch reichlich Zeit für sich. Statt für sie ein unnatürliches Leben ohne jede Anstrengung zu fordern, müßte vielleicht eher untersucht werden, ob ihnen der viele Leerlauf denn behagt.
7. Bis es zur Einheit von Mensch und Tier beim Festumzug kommt, sind viele Leistungen nötig, angefangen bei der Etablierung der Veranstaltung und dem Züchten der Tiere. Am Ende ergibt sich ein Bild als Ausdruck hoher, ästhetisch bestrebter Kultur. Das kann man vielleicht auch mal würdigen. Wessen Werkzeug gleich der Ruf nach Verbot ist, der erweckt den Anschein, als wäre sein Empfinden für Besonderheit, Schönheit, Tradition, usw. nicht weit entwickelt. Ehe ein Einzelaspekt angeprangert wird, sollte man erstmal den Gesamtkomplex kennenlernen, sonst redet man mit dem Gegner gar nicht über das selbe Thema.




- MÖGLICHE GRÜNDE FÜR UMBRÜCHE -
Zusammensturz des Zugaufstellungssystems
Das Zugaufstellungssystem mit den VHS-Mitgliedsvereinen als Gerüst stammt noch aus Zeiten, in denen es rund 30 hannoversche Schützenvereine mehr gab als heute. Anders ausgedrückt sind vom einstmaligen Bestand nur noch gut 60% vorhanden, und auch diese schrumpfen jeweils von den Umfängen her. Normalerweise überdenkt man Konzepte bei sich ändernden Bedingungen, doch hier wurde bisher stur dran festgehalten. Dabei führt(e) der Schwund zur fortschreitenden Aushöhlung des Systems. Zum einen läßt sich dieses beim Umzug immer schwerer erkennen. Zum anderen können in Zahl und Größe abnehmende hannoversche Schützenvereine weniger Musikzüge beibringen, weniger Gastvereine einladen und weniger Festwagen stellen. Wie wir sehen, wird das Teilnehmerfeld zwar anderweitig wieder aufgefüllt, aber dies würde mit einem an den Erfordernissen orientierten Zugaufstellungssystem doch viel besser geschehen. Es ist doch beispielsweise nicht richtig, daß Schützenvereine aus Arnum, Ehlershausen, Godshorn, Immensen, Isenbüttel, Springe, Völkenrode nach langjährigen Teilnahmen plötzlich außen vorbleiben, nur weil sich ihre einladenden Gastvereine aufgelöst haben, und ihnen kein Weg aufgezeigt wird, wie sie trotzdem weiter mitgehen können. Festwagen numerisch zu ersetzen, führt zu einem inhaltlichen Wandel, wenn die Schützenvereine früher oft Kutschen am Start hatten, andere Festwagen-Steller hingegen keine Kutschen nehmen. Diesbezüglich wäre also ein Konzept nötig, das die Anzahl der Kutschen sichern kann. Mit dem Ausscheiden der nächsten hannoverschen Schützenvereine dürfte das Zugaufstellungssystem so brüchig werden, daß ein Überdenken unausweichlich wird, und Neuerungen gezwungenermaßen angepackt werden müssen.
Aufkommendes Problembewußtsein
Als erste Voraussetzung zur Behandlung der vielfältigen Probleme müßte die Lage von innen heraus überhaupt erfaßt und angesprochen werden. Wäre der Schützenausmarsch ein Wirtschaftsunternehmen, hätte er sich längst viele Male reformiert, um am Markt geblieben sein zu können. An strukturellen Änderungen der letzten Zeit vermerken wir stattdessen die komplette Übergabe der Leitung des Schützenfestes an die Stadtbehörde als vermeintlichen Fortschritt, und die am Volk vorbeigehende Wiedereinführung des Amts des Schützensenators. Von den vielen Räten und Stiftungen dringt nie etwas an die Öffentlichkeit. Der „Verband Hannoverscher Schützenvereine“ scheint seine Aufgabe in der Abwicklung des hiesigen Schützenwesens zu sehen, denn genau so verhält er sich. Vereine werden nach und nach aus der Liste gestrichen, ohne daß es ihm jede Meldung wert wäre. Über hundert Jahre alt gewordene Vereine, die den Schützenausmarsch in dessen größter Zeit unter euphorischer Anteilnahme der ganzen Stadt mitbildeten, verschwinden unbemerkt aus der Stadtgeschichte, als hätte es sie nie gegeben. Ganz besonders enttäuschend ist unkritische Haltung des „Collegiums ehemaliger Bruchmeister“. Statt als besorgte Instanz auf den Plan zu treten, herrscht dort - gemäß seiner Netzseite - immer noch heile Welt. Es kann doch nun wirklich nicht bestritten werden, daß das hannoversche Schützenwesen im Allgemeinen und der Schützenausmarsch im Speziellen sofort tiefe Einschnitte benötigen. Wer könnte sie erkämpfen? Daß Außenstehende tätig werden und genug Einfluß gewinnen, ist nicht ausgeschlossen aber unwahrscheinlich. Schützenausmarsch.de als bisher einzige kritische Quelle kam immerhin aus dem Nichts, hat aber keine Verbindung zu den Schützen. Und jene spielen die entscheidende Rolle. In den Reihen der Schützen Hannovers muß die Bewegung entstehen! Schon ein einzelner könnte etwas initiieren. Stellen wir uns mal vor, es würde ein Forderungskatalog zur Gestaltung des Schützenausmarschs erhoben, der eine gewisse Zahl an Unterstützern findet und unter Streikandrohung an den Veranstalter gerichtet wird. Von da an liefe der Hase anders! Jedoch werden Widerstand und Umbruch sicherlich umso schwieriger, je mehr die Schützenszene weiter zusammenschmilzt. Umgekehrt dürfte es sich mit der Zuschauerentwicklung verhalten. Fortgesetzte Abkehrungstendenz wäre ein so deutliches Zeichen gewesen, daß man den Punkt des unausweichlichen Handelnmüssens vielleicht schon erreicht gehabt hätte. Mit dem wieder steigenden Zuspruch drohen sich die falschen Strukturen im letzten Moment doch noch zu festigen. Dabei sollte der Zuschauertrend nicht irrtümlich als Bestätigung dafür gesehen werden, daß man etwas richtig gemacht hätte - sondern daß jetzt unbedingt alles richtig gemacht werden müßte.
Einsetzende Reethnisierung
Das zuletzt gewachsene Zuschaueraufkommen könnte als Anzeichen einer beginnenden Reethnisierung gedeutet werden. Viele Deutsche beschäftigen sich wieder mehr mit identitären Werten. Möglicherweise wird darob auch das Schützenwesen selbst nochmal Zulauf erhalten. Schütze zu sein, wäre die ideale demonstrative Ausdrucksform des Protests gegen die Abschaffung von Volk, Heimat und Geschichte. Und gerade Hannover ist dafür natürlich das ultimative Pflaster! Selbst wenn einen das Schießen weniger reizt, könnte man sich trotzdem stolz fühlen, als uniformierter Marschierer die überlieferte Tradition zu leben. Im Rheinland und in Westfalen scheint diese Bewegung mancherorts schon gut im Gange zu sein. Es wäre seltsam, würde sie in Hannover völlig ausbleiben. Und wenn sie aufkommt, dann wahrscheinlich gleich ruckartig. Angehende Neuschützen fänden in der Stadt allerdings nicht das florierende Schützenwesen vor, wie es beim Schützenausmarsch mit Hilfe auswärtiger Teilnehmer unverändert den Anschein hat. Vielmehr hätten sie Mühe, zu den noch bestehenden Vereinen überhaupt Kontakt zu kriegen. Die Vereinslandschaft ist so ungünstig aufgestellt, daß ein sprunghafter Zustrom engagierter Leute vermutlich zu erheblichen Verwerfungen führte. Wenn dann versucht würde, den Schützenausmarsch wieder ordentlich herzurichten, könnten sich daran die Geister scheiden, so wie die gesamte deutsche Gesellschaft schon gespalten ist. Ohnehin wäre es in der Stadt nicht mehr das Gemeinschaftsgefühl von früher, da nun die Ausländer da sind, die sich ja nicht dran beteiligen und somit „weggedacht“ werden müßten.



- ANSTEHENDE MARKSTEINE -
Anmeldung als UNESCO-Kulturerbe
Die Stadtbehörde beabsichtigt das Schützenfest Hannover und damit auch den Schützenausmarsch als „Immaterielles Kulturerbe“ eintragen zu lassen, um die Vermarktung wie es heißt in Australien, China, Japan und in den USA anzukurbeln. Hört sich gut an, aber auch nur deshalb, weil diese Auszeichnung leicht mit dem UNESCO-Weltkulturerbe zu verwechseln ist. Jenes bezieht sich auf Gebäude und Ähnliches, wobei strenge Maßstäbe an den reinen Erhaltungszustand angelegt werden. Käme es auf die Bewahrung der Ursprünglichkeit an, hätte man mit dem verlotterten Schützenausmarsch keine Chance. Für Brauchtümer greift jedoch das nur halb von der UNESCO betreute Immaterielle Kulturerbe. Hierbei wiederum werden Umgestal­tun­gen als Zeichen von Lebendigkeit sogar begrüßt. Alles Mögliche läßt sich eintragen. Das Hannoversche Schützenfest würde mit dem Titel lediglich z.B. zum Wunsiedler Brunnenfest, zum Gochsheimer Friedensfest und zum Barther Kinderfest aufschließen. Der tatsächliche Wert ist gleich Null.
Bewerbung Hannovers zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025
Neben sieben weiteren deutschen Städten bewirbt sich Hannover um o.g. Titel. Es gäbe da ein unvergleichliches Kulturgut, und mehr Kultur geht nun wirklich nicht, mit dem Hannover die europäische Vielfalt mit ausformt. Jedoch taucht der Schützenausmarsch wie auch allgemein das Schützenfest in den vorläufigen Konzepten gar nicht auf. Die Übersichten mit den eingebundenen Kultur­institutionen nennen keinen Vertreter des Schützenwesens (wer sollte das auch sein?). So enthüllt bereits die Bewerbungsphase, daß das hannoversche Schützenwesen von der Stadtbehörde gedanklich für überwunden gehalten wird. Unter Kultur will man lieber andere Dinge verstanden wissen.
500. Schützenfest
Nach gültiger Zählung jährt sich das Hannoversche Schützenfest 2029 zum 500. Mal! Da ist man geneigt, von einem Schützenausmarsch zu träumen, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. 2029 werden wir Deutschen in diesem Land nur noch eine Minderheit sein. Ist es üblich, daß besiegte Völker mitten in der Stadt Volksfeste abhalten?! Volksfeste, die im Kern die Verteidigung zum Gegenstand haben?! Volksfeste mit triumphalen, lautstarken Paraden?! Natürlich nicht. Selbst wenn dann eine wohlmeinende Regierung aus den gegebenen Umständen das Beste zu machen versuchte - wie sollten Schützenfest und -ausmarsch gegen die aggressivste und intoleranteste Ethnie gesichert werden können?! Diejenigen, die das Fortbestehen unserer herkömmlichen Kultur möchten, wie stellen sie sich die Zukunft nur vor?! Bereits jetzt werden Faschings- bzw. Karnevalsumzüge angesichts unkontrollier­barer Drohkulissen verboten (u.a. der Braunschweiger Schoduvel im Jahr 2015). In Düsseldorf-Oberbilk haben neue Siedler den dortigen Schützenumzug gewaltsam aus „ihrem“ Viertel verdrängt. Das Stadtfest Chemnitz ist zumindest für 2019 ganz abgesagt. Daß beim Schützenausmarsch Hannover seit 2017 verschärfte Sicherheitsvorkehrungen bestehen, bedeutet doch auch schon die Vorstufe des Verbots !!! Ein Schützenumzug muß durch bewaffnete Polizei geschützt werden, wie komisch ist das denn. Noch verquerer nimmt sich die Feststellung aus, daß das hannoversche Schützenwesen zwecks Förderung der Wehrhaftigkeit einst von der Stadtbehörde großgemacht wurde, und nun der im Grunde gleiche Laden (der Staat) die Voraussetzungen für das Ende herbeiführt. Freilich können immer unvorhersehbare Wendungen eintreten. Ohne diese Hoffnung bräuchte man sich sowieso über nichts mehr Gedanken zu machen. Aber nach heutigem Stand wäre es weltfremd, davon auszugehen, daß das 500. Schützenfest überhaupt noch stattfindet.

Na gut, wagen wir trotzdem mal einen Ausblick auf das etwaige 500. Schützenfest. Gemessen an den Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, und in Anbetracht des zur Stunde immer noch fehlenden Problembewußtseins - in welchem Zustand würde sich die hannoversche Schützenszene dann wohl präsentieren? Fast alle Vereine dürften bis dahin verschwunden sein. Derjenigen Person, die in den Jahren zuvor mit dem Verfassen der Festschrift beauftragt wäre, flösse während des Schreibens der Bearbeitungsgegenstand vor der Nase davon! Beim Schützenausmarsch 2029 würden fast nur noch Schützen von außerhalb mitgehen. Niemand hätte die Kraft, einen prunkvollen Festwagen anzurichten. Jedes Wort des Jubels wäre von bitterstem Beigeschmack durchzogen. Zum 500. Schützenfest bliebe nurmehr der Befund, daß sich das hannoversche Schützenwesen punktgenau erfolgreich abgeschafft hat. So gesehen könnte die andere Alternative noch etwas Ehre retten.