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- EINFÜHRUNG / SCHNELLÜBERBLICK -
Name
„Schützenausmarsch Hannover“ nennt sich der alljährliche Umzug von Schützen in besagter Stadt. Bei dieser Bezeichnung handelt es sich um einen verbindlichen Eigennamen. Etwas Anderslautendes - z.B. Schützenumzug oder Schützenfestzug - wäre falsch. Da entsprechende Ereignisse anderswo in der Regel nicht „Schützen­ausmarsch“ heißen, sie genaugenommen seltenst überhaupt feste Namen tragen, sollte im allgemeinen Gespräch deutschlandweit eigentlich auch „Schützen­ausmarsch“ allein zur Benennung für den in jeder Hinsicht heraus­ragenden Umzug in Hannover reichen.
Hintergrund
Der Schützenausmarsch bildet den Höhepunkt des stets zwei Tage zuvor eröffneten, seit fast 500 Jahren gefeierten Schützenfestes. Da für ihn unmöglich eine eigene Alterszählung vorgenommen werden kann (s. Ausführungen im Geschichtsportal), ordnet man ihn ohne ausdrückliche Behauptungen in die Alterszählung des Schützenfestes mit ein, welche ihrerseits geschönt ist, denn natürlich hat nicht seit 1529 ununterbrochen jedes Jahr genau ein Fest stattgefunden. Schwer vorstellbar, aber lange Zeit waren Schießen und Feiern nicht getrennt. So zogen alle Teilnehmer der Wettbewerbe in festlicher Manier hinaus zu den Schießständen am Schützenplatz; daher der Begriff „Ausmarsch“. Zum Dank für ihre geübte und dem Gemeinwohl nützende Wehrhaftigkeit wurden sie unterwegs von den restlichen Einwohnern bejubelt. In Hannover entwickelte sich dieser Vorgang zu einem ungewöhnlich stark ausgeprägten Kult. Sowohl die Anzahl der Schützen als auch deren Verehrung nahmen in gegenseitiger Wechselwirkung weit überdurchschnitt­liche Ausmaße an. Ergebnisse davon sind das „größte Schützenfest der Welt“ und der Titel „Deutsche Schützenstadt“. Auch wenn der Schützenausmarsch längst nicht mehr zum Schießstand führt, und Schützen heute ohnehin nicht als Verteidiger der Stadt betrachtet werden, hielt sich die Parade als besonderes Kulturgut, mit dem Hannover und seine Schützenszene sich selbst feiern.
Veranstalter
Wer den Schützenausmarsch derzeit ausrichtet, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Bis 2016 tat es der Verein „Hannoversches Schützenfest“, als dessen Träger zu gleichen Teilen die Stadtbehörde und der „Verband Hannoverscher Schützen­vereine“ fungieren. Da dieser Verein den Aufgaben nicht mehr gewachsen war, ging die Planung, Organisation und Durchführung des Schützenfestes ab 2017 auf das „Eventmanagement“ der Stadtbehörde über. Inwieweit sich das auch auf den Schützenausmarsch bezieht, erscheint aber unklar. Mit der Zugleitung ist eine Person betraut, die ihre Tätigkeit ausdrücklich als Ehrenamt versieht. Kann die Stadtbehörde auch so einfach unentgeltlich für sich arbeiten lassen? Und wozu ist eigentlich der genannte Verein noch gut? 2017 stand auf Hannover.de: „Der Verein Hannoversches Schützenfest hat die Zugaufstellung für den Ausmarsch zum 488. Schützenfest veröffentlicht.“. Ganz schlau wird man nicht draus.

Datum
Als Datum für den Schützenausmarsch steht jedes Jahr derjenige Sonntag fest, der in den Zeitraum vom 30. Juni bis zum 6. Juli fällt. Aufgrund der großen geschicht­lichen Bedeutung eines anderen Wochentags muß man allerdings richtigerweise formulieren, daß er am Tag vor dem ersten Montag des Julis abgehalten wird. Laut Ausschreibung fände der Schützenausmarsch „bei jedem Wetter“ statt. Tatsächlich gestaltet sich die Witterung in jenem Terminrahmen sehr unterschiedlich. 2019 war bei Temperaturen um 40 Grad kein normales Verhalten mehr möglich, Zuschauer waren auf beschattete Bereiche an der Strecke angewiesen.


Eröffnung
Grundsätzlich heißt es, der Schützenausmarsch begänne vor dem Neuen Rathaus um 10 Uhr. Das Eröffnungsverfahren ist entweder nicht genau geregelt, oder es wird ständig verpatzt. Ab 9:50 Uhr müssen eigentlich vier Programmpunkte abgearbeitet werden. Den Anfang macht mal der Auftaktmarsch und mal die Begrüßungsrede. Über den - niemals näher bezeichneten - „Auftaktmarsch“ wird jedes Jahr wieder in allen Medien die Lüge verbreitet, „alle Musikzüge“ würden ihn „gemeinsam“ spielen. Richtig ist hingegen, daß das Heeresmusikkorps den Marsch „Alte Kameraden“ vorträgt (Beispiel hier anhören). Die Begrüßungsrede wird für gewöhnlich vom Oberbürgermeister gehalten und endet mit einem dreifachen „Horrido“ (Beispiel hier anhören). Zwei weitere Programmpunkte wären das Abwarten der Schläge der Rathausglocke sowie das Startkommando. Sofern die Glockenschläge (viermal hoch und zehnmal tief) tatenlos angehört werden, wobei unklar ist ob dies immer geschieht, beginnt der Schützenausmarsch somit eben doch nicht pünktlich um 10 Uhr. Fehlt noch das vom Präsidenten des „Verbandes Hannoverscher Schützenvereine“ verkündete Startkommando mit dem Wortlaut „Im Doubliertritt, Marsch!“ (Beispiel hier anhören). Kurioserweise versteht keiner der Beteiligten den Inhalt der Aufforderung. „Doublieren“ bedeutet, die Anzahl der Reihen eines Marschblocks durch Aufschließen zu halbieren, aber darum kann es ja nicht gehen. Mit „Doubliertritt“ wurde in der Hannoverschen Militärgeschichte ab 1815 ein Mittelding zwischen zügiger und bequemer Bewegungsform bezeichnet (108 Schritte pro Minute von umgerechnet 79,22 cm Länge). Außerhalb des Schützenausmarschs kommt das Wort nirgends mehr vor.
Start für die Teilnehmer
Die marschierenden Teilnehmer finden sich entsprechend ihrer Startnummer im Laufe des Vormittags am Trammplatz ein. Auf dem Friedrichswall wird aus den Schützenblöcken, Musikzügen und sonstigen Fußgruppen fortwährend die Zugformation gebildet. Erst wenn sie sich dann in Bewegung setzen, beginnen die Musikzüge erstmals zu spielen, denn täten sie es schon vorher, würde doch sehr viel Verwirrung in der ganzen Gegend ausgelöst. Vom Kestner-Museum her ziehen die Gruppen an der Rathausfront entlang, wo sie von einem Sprecher einzelne Begrüßungen erhalten (Beispiel). Nach 200 Metern erreicht der noch unvoll­ständige Zug die Kreuzung Friedrichswall / Willy-Brandt-Allee. Dort werden die Kutschen, Wagen, Reitergruppen und anderen sperrigen Nummern eingefädelt, welche sich ihrerseits in der Willy-Brandt-Allee aufgereiht haben. Anbei Szenen des stundenlangen Eintreffens, Wartens, Fertigmachens und Losbewegens auf dem Trammplatz sowie in der Willy-Brandt-Allee:
 

Dies ist die Kreuzung, auf der der Zug vollständig wird (hinten links die Willy-Brandt-Allee). Videos speziell von der Einfädelung gibt es derzeit nicht im Netz;
hier und hier kriegt man ein bißchen davon mit.
Streckenverlauf
Seit einigen Jahrzehnten folgt der Schützenausmarsch einer weitgehend starren Wegstrecke. Über die Osterstraße taucht er in die hochbebaute Innenstadt ein, wechselt über die Baringstraße zur Georgstraße, bleibt auf dieser auch über den Kröpcke hinweg, schwenkt über je ein kurzes Stück Schmiedestraße und Marstall in die Knochenhauerstraße ein, erreicht über die Ballhofstraße den Ballhof, nimmt die Burgstraße und die Leinstraße, verläßt die Häuserschluchten über die Karmarsch­straße zum Friederikenplatz hin, durchquert diese Lichtung bis auf die Lavesallee hinaus, um schließlich in die lange Zielgerade aus Waterloostraße und Bruchmeisterallee einzubiegen. Die längere Alternative Ständehausstraße - Luisenstraße - Ernst-August-Platz - Schillerstraße anstatt über den Kröpcke kam in den letzten Jahren mangels Zuschauern nicht mehr in Frage, könnte zukünftig aber wieder gehandelt werden. Am Ende des 3,5 bzw. 4 km langen Marschs wird durch das nach der hannoverschen Brauerei benannte „Gilde-Tor“ der Schützenplatz betreten. Die Fußgruppen ziehen dann zwar noch halbwegs ordentlich bis zum sogenannten Rundteil in der Platzmitte weiter, doch da sich erstens die Kutschen, Wagen und Reiter zuvor ausfädeln, und zweitens die Jahrmarkt-Atmosphäre überwiegt, ist dieser Abschnitt kaum mehr zum Zuschauen geeignet. Auf den Bildern sehen wir Gruppen vor und nach der Durchschreitung des Gilde-Tores.
 
 
 
Charakteristika
Beim Schützenausmarsch gehen weibliche genauso wie männliche Schützen mit. Dies sei erwähnt, da andernorts die Männer im entsprechenden Umzug noch immer unter sich bleiben. Auch sonst gestaltet sich der Schützen­ausmarsch weit weniger herb als man - gerade in Norddeutschland - erwarten würde. Ein herausragendes Merkmal ist die ausgiebige Beschäftigung der Schützen mit den Zuschauern. Statt sich auf einen Gleichschritt zu konzentrieren, geht der Blick zu den Seiten, wird gestrahlt und gewunken oder mit Blumen gewedelt (die man früher sogar auf der Bahn zugesteckt bekam). Dieses sehr unübliche Verhalten erklärt sich daraus, daß der hannoversche im Gegensatz zu anderen Schützen­umzügen überhaupt ein richtiges Publikum hat. Von den Kapellen wird allerdings notwendigerweise feste Marschformation mit Gleichschritt und Vorausblick eingehalten. Einige Elemente, die mancherorts vielleicht das Bild des Schützen­wesens bestimmen, kommen bei einheimischen Vereinen nicht vor, sind aber geringfügig von auswärtigen zu sehen: Exerzier­handlungen, Waffenattrappen, Schirmmützen, Federbüsche, Frack/Zylinder, ins Trachtenartige oder Militärische gehende Schützenuniformen, an der Hand geführte Damen. In all den Jahr­hunderten hat sich weder eine fixe Hymne noch ein spezieller Grußausruf eingebürgert. Das „Horrido“ aus der Jägersprache als Hannoverschen Schützengruß zu bezeichnen, widerspricht den Beobachtungen, denn es wird kaum verwendet und ist diesbezüglich in der Stadt auch nahezu unbekannt.

Als häufig wiederkehrende Zeichen begegnen einem beim Schützenausmarsch das „Hannoversche Kleeblatt“ (s. Extra-Artikel ganz unten) und das Sachsenroß. Auch das Schützenfest selbst besitzt mit „Ballerkalle“ ein eigenes Symbol, das als Kostümfigur meist sogar im Zug mitläuft. Nach erheblichen Überarbeitungen ging jedoch die plakative Wirkung verloren, weshalb Ballerkalle nurmehr wenig auf verbliebenen Altmaterialien zu sehen ist, so wie auf dem obigen Bild. Eine weitere Eigentümlichkeit ist die sonst weithin ungebräuchliche Farbkombination Gelb-Weiß. Hier kommt diese Verbindung - im wahrsten Wortsinn - oft zum Zug. Der Grund: Als Farben der Welfen waren es die Farben des Königreichs Hannover! Auch bei einigen anderen Schützenfesten desjenigen Gebiets ist Gelb-Weiß am Leben; s. hier die Beflaggung in Celle.
Herkunft der Teilnehmer
Von der geographischen Herkunft her setzt sich der Schützenausmarsch aus mehreren „Ringen“ zusammen. Den Kern bilden eigentlich die in ihrer Zahl immer weiter schwindenden hannoverschen Schützen. Aus der gastgebenden Stadt kommen daneben fast alle „sonstigen“ Teilnehmergruppen und die verschiedenen Kutschen und Wagen. Die Masse der Schützen und Musiker wird inzwischen eher vom ländlichen Raum rund um Hannover beigesteuert. Doch auch dahinter bis zu den Bundeslandgrenzen faßt man den Schützenausmarsch heute als gemeinsames Anliegen auf. Mitwirkende reisen aus ganz Niedersachsen an, ob aus der Lüne­burger Heide, dem Wendland, der Nordheide, der Wesermarsch, aus Ostfriesland, dem Emsland, der Grafschaft Bentheim, dem Oldenburger Münsterland, aus dem Weser- und Leinebergland bis Göttingen oder aus dem Harz. Über Niedersachsen hinaus ist abrupt weniger Beteiligung zu vermerken, am ehesten aus dem benachbarten Westfalen. Fehlt noch die obligatorische Handvoll ausländischer Kapellen. Mehr zum Thema gibt es auf der Unterseite „Teilnehmer-Statistik“.

Wenn Ostfriesland, Lüneburger Heide und Harz sich treffen, befindet man sich mit großer Wahrscheinlichkeit beim Schützenausmarsch Hannover. Und stolziert die Flagge des Großherzogtums Oldenburg durch die Osterstraße, dann erst recht.
Statistische Werte
10.000 - 12.000 Teilnehmer bilden einen 10 - 12 Kilometer langen Zug. Da also die Zuglänge ungefähr das Dreifache der Wegstrecke mißt, haben viele Akteure das Ziel bereits erreicht, während andere noch gar nicht aufgebrochen sind. Die Marschzeit liegt mit allem drum und dran im Schnitt bei rund 1 Stunde 20 Minuten. Obwohl dies den Teilnehmern in der Aufregung kurz vorkommt, kann es je nach Witterung, Alter und mitgeführten Geräten doch auch anstrengend sein (weshalb es für sie Trinkstationen an der Strecke gibt). Vom Losgehen der ersten bis zum Zieleinlauf der letzten Teilnehmer dauert das ganze Ereignis gut dreieinhalb Stunden. Und die Durchlaufzeit an einem Punkt, so wie der Zuschauer den Schützenausmarsch ja wahrnimmt, beläuft sich im langjährigen Mittel auf etwa 2 Stunden 40 Minuten.


Zuschauer
Zuschauer können sich an beliebiger Stelle am Streckenrand einfinden. Vom Veranstalter werden vier Tribünen aufgebaut, deren Plätze ungefähr 16,50 Euro kosten. Karten kann man bei der Touristen-Information im Hauptbahnhof oder bei der derzeitigen Nachfrage auch noch vor Ort erwerben. Eine der Tribünen steht am Opernplatz, eine am Ballhof, zwei in der Bruchmeisterallee. Es spielen dort schon Kapellen auf, bevor der Zug eintrifft, welcher dann moderiert wird. Über die am Holzmarkt errichteten Tribünen eines Zeitungsverlags ist nichts Näheres bekannt. Tribünenartig läßt sich auch noch die Treppe des Leineschlosses nutzen (s. Bild unten). Nicht wenige Zuschauer bringen ihre eigenen Stühlchen sowie auch Tische mit. Die ganze Strecke am Rand mitzulaufen ist möglich, wegen der hierdurch verursachten Unruhe gleichwohl unhöflich. Zuschauerzahlen werden hier nicht genannt, da sie eh unseriös wären. Besser schätzt man das Zuschaueraufkommen in den verschiedenen Abschnitten mit Hilfe der „Erlebnisberichte aus dem Zug heraus“ auf der Unterseite „Filmverzeichnis“ ein. Was sehr auffällt, ist die überaus strikte Entmischung der Gesellschaft zu diesem Anlaß. Nicht nur die Schützenblöcke und die Musikzüge, auch die Zuschauerreihen setzen sich praktisch hundert­prozentig aus Deutschen zusammen. Jedenfalls die Mitbürger außereuropäischer Herkunft möchten mit dem überlieferten Kulturgut ihrer Wahlheimat nichts zu tun haben. Interessant wären Erhebungen über die Quote an Touristen unter den Zuschauern. Immerhin lohnt sich der Schützenausmarsch mit seiner langen Durchlaufzeit und als einer von nur zwei richtig großen Schützenumzügen im Land sehr wohl als Reiseziel. Kinder jedoch, das muß man ehrlich sagen, sind im Grunde überfordert. Nur Eltern aus dem Raum Hannover sollten ihren Sprößlingen zur umfänglichen Sozialisierung natürlich unbedingt die Möglichkeit gewähren, später Kindheitserinnerungen an den Schützenausmarsch zu haben.
Fernsehen
Vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) wird der Schützenausmarsch live im Fernsehen und im Internet übertragen. Die Kameras stehen immer am Ballhof. Als Journalismus ist die Sendung aber offenkundig nicht gedacht. Der vermeintliche „Reporter“, ein vermeintlicher „Experte“ und die Außenreporterin weigern sich hartnäckig, sich auch nur die kleinste Prise Wissen zum Thema anzueignen. Sie gehen ohne jegliche Kenntnisse auf Sendung, und tun obendrein noch dümmlich, um dann von dem Gebotenen überrascht zu sein. Zuletzt verstärkte sich sogar die Tendenz, daß einfach über andere Dinge anstatt über das gerade ablaufende Ereignis geredet wird. Fortgezogene Hannoveraner in aller Welt, die die Übertragung als Band zur alten Heimat nutzen möchten, müssen daran verzweifeln. Da erfährt man mehr vom Schützenausmarsch, wenn man sich die von Zuschauern gedrehten und ins Netz geladenen Videos anschaut. Diese wären auch besser als die Sendung geeignet, um andere Menschen auf den Schützenausmarsch ansich aufmerksam zu machen. Letztlich kann aber nur gelten, daß man den Schützen­ausmarsch nicht am Bildschirm verfolgen sollte, sondern am Streckenrand!

Tipp für Erstbesucher
Wer als angehender Zuschauer nach einer Empfehlung fragt, kann getrost diesen Vorschlag annehmen: Ab 9:30 Uhr im Bereich des Trammplatzes vor der traumhaften Kulisse des gigantischen Rathauses das frohe Durcheinander der Uniformträger auf sich wirken lassen. Dort auch gegen 10 Uhr die Eröffnung mitverfolgen. Noch ein bißchen den Abmarsch der ersten Gruppen beobachten, dann aber - an einigen Getränkeständen vorbeikommend - wenige hundert Meter weiter einen Standort auf der „Lichtung“ Friederikenplatz / Lavesallee suchen, wo etwa um 10:40 Uhr mit der Zugspitze zu rechnen ist. Hier hat man unter Schützenfest-Beflaggung Platz in der ersten Reihe und viel Bewegungsfreiheit, dazu Sichtachsen auf die Marktkirche und/oder die Waterloosäule. Sofern einem irgendwann danach zumute ist, die Stelle verlassen und ein paar hundert Meter dem Streckenverlauf folgen. Auf der Schlußgeraden Waterloostraße / Bruchmeisterallee den Rest des Schützen­ausmarschs aus einer anderen Perspektive erleben. Anschließend mit auf den Schützenplatz gehen, wo sich dann ebenfalls schwer beeindruckende Szenen in weltweit einmaliger Größenordnung abspielen, wenn tausende uniformierte Schützen und Musiker zwischen den Fahrgeschäften, Buden und Festzelten umhertingeln. Und dann möglichst noch das Bier-Schnaps-Getränk „Lüttje Lage“ probieren ...
 



- WEITERE UMZÜGE WÄHREND DES SCHÜTZENFESTES -
Zu Beginn und zum Abschluß des Schützenfestes
Zwei Tage vor dem Schützenausmarsch (am Freitag) beginnt um 17 Uhr in der Marktkirche eine förmliche Eröffnungsveranstaltung des Schützenfestes. Etwa um 18:15 Uhr wird zum Neuen Rathaus rübergezogen, wo um 19 Uhr die sogenannte „Bruchmeisterverpflichtung“ ansteht. Hiernach, so gegen 20 Uhr, erfolgt über Willy-Brandt-Allee und Arthur-Menge-Ufer der Weitermarsch zum Schützenplatz. Am letzten Tag des Schützenfestes (dem zweiten Sonntag) startet um 22 Uhr vom Schützenplatz ein Fackelmarsch, der über Arthur-Menge-Ufer, Willy-Brandt-Allee, Friedrichswall und Karmarschstraße auf der selben Strecke in eins zurückführt. Ziel ist dann der Marktplatz zwischen Altem Rathaus und Marktkirche, auf dem das Schützenfest mit einem feierlichen Zapfenstreich abgeschlossen wird (hier eine Bilderstrecke von 2016). All diesen Veranstaltungen kann jeder beiwohnen. Anders als die drei Zeremonien laden die drei Märsche mit ihrem Gemisch aus Schützen und Zivilisten in ungeordneten Zügen aber nicht gerade zum Zuschauen ein.
Vormärsche der hannoverschen Schützenvereine
Im Morgengrauen vor dem Schützenausmarsch werden von den hannoverschen Schützenvereinen traditionell Vormärsche durchgeführt. Dabei fahren sie in die Nähe der Wohnstätten ihrer verschiedenen Schützenkönige, und marschieren von Musikzügen begleitet auf, um die Könige mit bestimmten Riten abzuholen. Zugucken kann man im Grunde nicht, nur die geweckten Anwohner schauen natürlich aus den Fenstern. Später kehren die Vereine jeweils zu einem Festfrühstück ein, bis es dann Zeit geworden ist, zum Rathaus aufzubrechen. Manche Schützenblöcke und Musikzüge haben beim Schützenausmarsch also schon einiges in den Knochen. Wer diese Geschichte nicht so recht glauben mag, sollte sich dann doch mal als zufälliger Augenzeuge betätigen. Innenstadtnaher Tipp: Die „Bürgerschützen des nördlichen Stadtteils“ marschieren immer mit zwei Musikzügen um 4 Uhr vom südlichen Weidendamm ihre erste kleine Etappe zum Vereinshaus in der Windthorststraße. Bei einem Teil der Vereine finden die Vormärsche heute jedoch am Tag zuvor nachmittags statt. Bedenkt man, daß jeder Vormarsch die Vereinskasse mit rund 5.000 Euro (für Musik, Busse, Speisen) belastet, muß er den Schützen wirklich sehr viel bedeuten. Mehr zu den Vormärschen auf der Unterseite „Substanzaufbau“ im Geschichtsportal.
Beim „Tag der niedersächsischen Schützen“
Am zweiten Freitag der Schützenfest-Zeit, also fünf Tage nach dem Schützen­ausmarsch, geht - ohne hannoversche Beteiligung - ein „zweiter Schützen­ausmarsch“ vonstatten. Hierzu treffen bis 18 Uhr rund 1.800 niedersächsische Schützen aus 90 Vereinen auf dem Trammplatz ein, um dann über Willy-Brandt-Allee und Arthur-Menge-Ufer zum Schützenplatz zu ziehen. Veranstaltet von der Gilde-Brauerei, gibt es dieses Ereignis erst seit 2017 (vorher handelte es sich um eine von der Brauerei Wittinger organisierte Aktion nur mit Schützen aus der Lüneburger Heide). Hintergrund ist das Bemühen, die Quote der Uniformträger auf dem Festplatz wieder zu erhöhen. Und dabei kommt mal eben einer der größten Schützenumzüge überhaupt zustande, mit ganz reinem und ursprünglichen Charakter. Obwohl er nicht zum Zuschauen beworben wird, würde mehr Aufmerksamkeit keiner von beiden Seiten schaden. Hier erstaunliche Filmaufnahmen von 2017 und von 2019.



- DAS HANNOVERSCHE KLEEBLATT -
Es ist dies ein uraltes hannoversches Wappenzeichen, das im Stadtwappen zwar nur unter­geordnet vorkommt, aber freigestellt in volkstümlicherer Weise auch allein für die Stadt steht. Die ursprüngliche Form entsprach mit ihren ausgezogenen Spitzen jedoch keinem Kleeblatt, sondern dem Laubblatt des Leberblümchens. Nur weshalb hätte man ausgerechnet dieses wiedergeben wollen? Die blütenartige Darstellung auf der Sonnenuhr an der Marktkirche, oder besser zu sehen am Georg-von-Cölln-Haus gegenüber dem Kircheneingang, legen nah, daß die früheren Hannoveraner einfach ein Phantasiegebilde im Schilde führten. Selbiges taten dann auch viele Schützen­vereine (darunter eine SG Kleeblatt), und genauso wurde es von offizieller Seite für das Schützenfest genutzt.

Von diesem alten Zuschnitt sind beim Schützenausmarsch heute allenfalls Reliktvorkommen zu entdecken (auf den Schildern der Gilde-Reiterei, der Bürgerschützen des nördl. Stadtteils, der Schützengesellschaft Ricklingen und des „Vereins Hannoverscher Köche“). Denn während des 20. Jahrhunderts erhielt das „Kleeblatt“-Zeichen im Stadtwappen und folgsam auch beim Schützenfest ein neues Aussehen. Plötzlich glich es weitgehend dem Weißklee, der überall auf den Wiesen wächst. In dieser Gestalt kann es beim Schützenausmarsch unter anderem auf den Zugschildern, auf der Standarte des „Collegiums ehemaliger Bruchmeister“ und auf den Zylindern der Bruchmeister vorgefunden werden.

In der Wappenkunde stellt man Kleeblätter normalerweise mit Stiel und von unten herkommend dar, was heißt, daß oben nur eine der drei Fiedern liegt (sofern nicht gleich zum vierfiedrigen Kleeblatt gegriffen wird). Man bedient sich außerdem meist des Typs Sauerklee, dessen eingekerbte Blätter hohen Wiedererkennungs­wert haben. Mit diesem klassisch-heraldischen Kleeblatt hat das hannoversche Zeichen nach wie vor nichts am Hut; die nachfolgenden Abbildungen erinnern kein bißchen an Hannover. Durch die ganze Vielschichtigkeit der Sache sollten wir gezwungen sein, in unserm Fall nur vom „Hannoverschen Kleeblatt“ zu sprechen.