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- ALLGEMEINES -
Zugleitung
Die derzeitige Zugleiterin erzählt hier von ihrer Tätigkeit: Bericht 1, Bericht 2.
Zeitlicher Vorlauf
Zum Jahreswechsel, also ein halbes Jahr vor dem Schützenausmarsch, veröffentlicht der Veranstalter den Bewerbungsbogen. Antrittswillige Gruppen haben eine hinreichende Beschreibung von sich und ihrem geplanten Erscheinungsbild abzugeben. Es ist zu vermuten, daß die Dauerteilnehmer aus Hannover und Umgebung dieses Verfahren aber nicht jedes Mal auf`s Neue durchlaufen müssen. Über die Möglichkeiten für auswärtige Schützenvereine herrscht große Unklarheit; sicherlich sind da verschiedene Gerüchte im Umlauf. Einerseits können jedes Jahr ungefähr fünf Vereine gezielt ihr Jubiläumsjahr mit der Teilnahme würdigen. Auch ein paar weitere Vereine schaffen es selbstangemeldet einfach mal so oder regelmäßig an Bord. Zudem meinte die Zugleiterin 2017 in einem Interview, es würde „eigentlich keiner abgelehnt“. Andererseits stöhnen aber Vereine über einen zu schwierigen Zugang. Wenn welche von einem hannoverschen Verein als Gast eingeladen werden, zeigen sie sich oft überglücklich und dankbar. Und hört ein hannoverscher Verein zu existieren auf, endet damit tatsächlich meist auch abrupt die Teilnahmekarriere seiner langjährigen Gäste. Daher sind klare Aussagen zu dieser Angelegenheit nicht zu treffen. Daß eine Gebühr erhoben wird, kann vom Sinn her bestimmt nicht der Fall sein, denn man bezahlt ja nicht für etwas, das durch die eigene Leistung erst zustandekommt. Nur von Schützenvereinen, die sich ohne begleitenden Musikzug anmelden, werden zum Ausgleich 300 Euro eingezogen (da könnte man denken, daß sich schon ein Musikzug finden lassen sollte, doch würde dieser sich wahrscheinlich mindestens die Fahrtkosten vom Schützenverein bezahlen lassen, was am Ende eher teurer ausfallen dürfte). Es stellt sich die Frage, ob manche Gruppen nicht vielmehr vom Veranstalter eingekauft werden. Bei den ausländischen Musikzügen, dem süddeutschen Musikzug, dem Reiter­fanfarenkorps, dem weiteren echten Fanfarenkorps und einigen anderen ist es nicht anders vorstellbar, als daß diese wenigstens ihren Aufwand voll erstattet bekommen. Sie zählen zu den Nummern, um die sich der Veranstalter zwecks Vielseitigkeit aktiv bemüht. Auch werden hannoversche Institutionen direkt mit der Bitte angeschrieben, sie mögen sich durch Festwagen beteiligen. Ende Februar endet die Bewerbungsfrist. Bis Ende März wird die Auswahlentscheidung gefällt, die sich wie erwähnt derzeit jedoch weitgehend von selbst erledigen soll. Ende Mai erscheint auf der Schützenfest-Netzseite die Erstfassung der Zugaufstellung. In die zahlreichen Überarbeitungen, die bis kurz vor dem Tag des Schützenausmarschs folgen, wandern merkwürdiger­weise immer noch neue Teilnehmergruppen ein. Wiedergaben in anderen Medien als der Schützenfest-Netzseite weisen nicht den jeweils aktuellen bzw. endgültigen Stand auf.

Zur veröffentlichten Zugaufstellung
Wir sehen hier einen Screenshot des Kopfbereichs der Datei mit der Zugaufstellung. Man schaue sich an, wieviel Stolz, Selbstbewußtsein und Liebe die Setzung der Überschrift vermittelt, wie sie die Außergewöhnlichkeit und Tradition rüberbringt, wie sie die Aufmerksamkeit zu gewinnen versucht. Dazu zeigen die Zeichnungen nicht etwa marschierende Musiker und Schützen, sondern Karikaturen, mit denen der Veranstalter unverhohlen seine volle Verachtung für die Schützen und den Schützenausmarsch kundtut. Und dies wird durch die Darstellungsweise der Zugaufstellung mehr als bestätigt: Es wimmelt nur so von Tipp- und Satzfehlern (insbesondere überzähligen oder fehlenden Leerzeichen sowie unbündigen Einrückungen), falsch geschriebenen Ortsnamen, falschen Vereinsnamen (z.B. „Schützenverein“ anstelle „Schützengesellschaft“, „Musikzug“ anstelle „Musikkorps“). Zu Gruppen ohne Ort im Vereinsnamen, zu uneindeutigen Ortsnamen (z.B. Kirchdorf, Walle, Schönfeld), zu völlig unersichtlichen Inhalten bei zahlreichen „sonstigen Gruppen“, gibt es keine Erläuterungen. Gleichartiges wird uneinheitlich dargestellt, Unzutreffendes jahrelang immer wieder aus der Datenbank abgerufen, Text nur als Sprachbrocken hingeworfen (z.B. „Pferde Kutsche Planwagen“). Mit vergessenen Nummernvergaben, an falsche Stellen gesetzten Nummern, doppelter Aufführung ein und derselben Gruppe, gefährdet man auch konkret die Abläufe. Hinzu kommt der Umstand, daß sich das komplizierte Nummerierungsprinzip für den Außenstehenden nicht erschließen läßt und auch sowieso keinen Nutzwert hätte, wodurch die Anfertigung eher den Eindruck eines internen Papiers macht. Es ist grundsätzlich eine Unverschämtheit, jemandem etwas von dieser Qualität zum Lesen anzubieten. Nun ist obendrüber aber auch noch ein offizielles Signet der Stadtbehörde angebracht. Bei ihr müßte es doch Kontrollinstanzen geben, die verhindern, daß solche selbstschädigenden Schreiben an die Öffentlichkeit gelangen. Wenn dies Jahr für Jahr dennoch geschieht, muß das Desinteresse schon sehr fortgeschritten sein. Und das Ganze erscheint folglich annähernd so auch in der Presse. Hannover gibt damit ein verheerendes Bild ab. Manchen selten beteiligten Gruppen bedeutet es wirklich viel, beim Schützenausmarsch mitgehen zu können. Traurig, wenn ihr Vereinsname dann falsch in der Zugaufstellung steht, falsch bei der Begrüßung am Rathaus ertönt, falsch in der Fernsehübertragung zu hören ist. Anbei Screenshots von 2018.
Startnummern

Den beteiligten Gruppen wird im Vorfeld ihre Startnummer bekanntgegeben, damit sie Bescheid wissen, wann sie innerhalb des stundenlangen Rangierens an die Reihe kommen. Es beläuft sich schwankend auf gut 100 bis gut 130 Startnummern für Fußgruppen. Unter einer Nummer laufen typischerweise ein Schützenverein und der ihn begleitende Musikzug auf. Manche Beziehungsverhältnisse bestehen beim Schützenausmarsch übrigens schon seit den 1960er Jahren (BSG Herren­hausen mit FW-Musikzug Elze/Wedemark; Nördl. Stadtteil mit FW-Musikzug Ihme-Roloven; evtl. auch USG Klein-Buchholz mit Musik- und Fanfarenzug Lehrte). Je nachdem, wie sich die Teilnehmer anmeldeten, können aber auch einzelne Gruppen aller Art oder Blöcke aus mehreren Vereinen einer Nummer zugeordnet sein. Die VHS-Mitgliedsvereine laden neben dem begleitenden Musikzug im Schnitt noch zwei Schützen- oder andere Vereine dazu. Beim „Laatzener Block“ kommen auf diese Weise oft sage und schreibe zwölf Gruppen unter nur einer Nummer zusammen (drei VHS-Mitgliedsvereine, drei begleitende Musikzüge, sechs Gastvereine). Weitere vielteilige Gemeinschaftsanmeldungen geben z.B. stets der Schützenkreis „Leine“ (um Seelze), der Verbund „Das Große Freie“ (um Sehnde), der Herrenhäuser, der Langenhagener, der Isernhagener und der Barsinghäuser Block ab. Parallel zu diesen „grünen Nummern“ wird in Rot eine - ebenfalls mit 1 beginnende - Zählfolge für Wagen und andere sperrige Elemente vorgenommen, die dann irgendwo zwischen knapp 60 und gut 70 endet. In Form grüner bzw. roter Blätter schickt der Veranstalter die Nummern frühzeitig raus, denn die Inhaber müssen sich überlegen, wo und wie sie ihre Nummer gut sichtbar anbringen. Schön aussehen tut es nie, ist aber unerläßlich zum Überblickbehalten für Teilnehmer, Einweiser, Sprecher am Streckenrand, das Fernsehen und Zuschauer. Bei der gewitzten Schützen­gesellschaft Empelde scheint es, als sei die Berücksichtigung der Startnummer schon von vornherein in die Überlegungen für das Vereinswappen eingeflossen:
Vorgaben für die Teilnehmer
Für den Schützenausmarsch gelten selbstverständlich die allgemeinen Vorschriften über „Fahrzeuge bei Brauchtumsveranstaltungen“ sowie die notwendigen Anforderungen an Reiter, Kutscher, Pferde und Kutschen. An Verhaltensregeln erhebt der Veranstalter derzeit drei Gebote: In Viererreihen zu marschieren (ab 41 Personen in Fünferreihen, ab 81 Personen in Sechserreihen), keine Lücken aufkommen zu lassen, keine Sondereinlagen vorzuführen. Wie die Bilder zeigen, wird alles drei von den Teilnehmern ohne mit der Wimper zu zucken mißachtet. Drei weitere Vorschriften galten zumindest in jüngerer Vergangenheit, sind aber möglicherweise abgeschafft und ohnehin nicht durchgesetzt: Kommerzielles Werbeverbot, Oldtimer-Eigenschaft von PKWs per Kennzeichen, Beschränkung auf 25 Personen für auswärtige Schützenvereine. Es hieß auch mal, bei starker Hitze könne der Veranstalter den Schützen die Erlaubnis erteilen, ihre Jacken abzulegen, was ja ansonsten einen Jackenzwang bedeuten würde, der aber jedenfalls auch nicht befolgt wird. Ein Alkoholverbot für Teilnehmer auf der Strecke gibt es übrigens nicht, außer natürlich für Fahrzeug- und Pferdeführer. Manche Gruppen scheinen chronisch keine Rücksicht auf die Anmeldefrist zu nehmen, oder sie unterlassen die Vorzeigung der Startnummer. Ja es mischen sich sogar jedes Jahr Vereine in den Zug, ohne in der Zugaufstellung zu stehen, demnach wohl ohne Kenntnis des Veranstalters (2018 z.B. elf Schützenvereine und drei Kapellen).



- FESTE NUMMERN DES VORZUGES -
Gilde-Reiterei
Angeführt wird der Schützenausmarsch von der „Gilde-Reiterei“. Was es mit dieser traditionellen Nummer genau auf sich hat, weiß niemand. Im Geschichtsportal wird versucht, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Soviel vorweg, zur Brauerei Gilde besteht keine Verbindung. Heute ist die einst viel größere und schmuckvolle Staffel bis zur Selbstverneinung zurückgebaut, um dem Schützenausmarsch die Monumentalität wegzunehmen. Sie hat trotz des hervorstechenden Einsatzgebiets auch keinerlei Bekanntheitsgrad im Stadtgeschehen mehr. An Pferden werden hauptsächlich „Friesen“ verwendet, Rappen mit längeren Haaren über den Hufen. Wenn diese nicht gerade für den Schützenausmarsch unterwegs sind, verbringen sie ihr Leben auf Koppeln rund um den Ort Thönse.
 
Maskottchen „Ballerkalle“
Ohne je in der Zugaufstellung genannt zu werden, folgt an nächster Stelle das Schützenfest-Maskottchen „Ballerkalle“. Der jetzige Entwurf ist seit 2017 im Dienst. Mit dem dümmlichen Gesichtsausdruck, den Krüppelärmchen, der rein menschlichen Unterhälfte und weiteren Unzulänglichkeiten kann man ihn nur ablehnen. Offenbar untrennbar mit Ballerkalle verbunden ist inzwischen die Figur „Ballerina“. Sie steht für die Verblödelungstendenz beim Schützenausmarsch, transportiert aber auch sehr bedenkliche Vorstellungen von Geschlechterrollen.
Heeresmusikkorps
Als erster Musikzug tritt das Heeresmusikkorps Hannover der Bundeswehr auf. Wenigstens von ihm werden noch die großartigen preußischen Märsche gespielt, die beim Schützenausmarsch ansonsten zur Mangelware geworden sind. Als Beispiele hört man hier den Regimentsgruß, hier den Königgrätzer Marsch, hier den Defiliermarsch von Faust, hier den Marsch der Elisabether.

Verbandsfahnen und -standarten

Dahinter werden die Fahne des „Verbandes Hannoverscher Schützenvereine“ (VHS), die Standarte für dessen Präsidenten, und die Standarte des „Niedersächsischen Sportschützenverbandes“ (NSSV) getragen. Anders als man denken würde, erstreckt sich der NSSV nur über ungefähr die Hälfte Niedersachsens (der Rest ist im „Nordwestdeutschen Schützenbund“ sowie zum kleinen Teil im „Schützenverband Hamburg und Umgegend“ organisiert). Zuschauer am rechten Straßenrand werden wahrscheinlich wie im unteren Bild die Rückseiten zu Gesicht bekommen.
„Ehrengäste“
Unter „Ehrengästen“ werden zum einen Funktionäre aus dem Schützenwesen verstanden, die in der allgemeinen Öffentlichkeit freilich völlig unbekannt sind. Zum anderen handelt es sich um den Oberbürgermeister, Lokal-, Landes- und - bei niedersächsischen Wurzeln - auch Bundespolitiker. Der aufgeklärte Bürger weiß, wie diese Personen in Wahrheit über einen solchen Festumzug denken, in dessen Spitze sie mitgehen, und was sie von genau demjenigen Volk halten, dem sie scheinbar freundlich zuwinken. Manchmal geht auch aus dem Welfenhaus der wirklich zugeneigte Erbprinz Ernst-August mit. Zum Ehrengästeblock gehört eine meist biedere Kutsche (2016 war es jedoch eine noble doppelstöckige, von der seltsamerweise keine Aufnahmen zu existieren scheinen).
Reiterfanfarenkorps
Hoch zu Roß kann man Musikinstrumente sicherlich nicht besser spielen. Aber zweifellos macht ein Reiterfanfarenkorps einen Festumzug „groß“. Für solche Anlässe halten sich in Niedersachsen zwei Gruppen bereit, der „Reiterfanfarenzug Höven“ und das „Reiterfanfarencorps Visbek“. Wer von ihnen gerade beim Schützenausmarsch im Einsatz ist, macht keinen Unterschied, da sie gemäß ihrer Herkunft, dem Raum Oldenburg/Cloppenburg, beide in blau-roten oldenburgischen Militäruniformen gekleidet sind. Nicht daß dagegen irgendwas einzuwenden wäre, aber wenn sie bei ihren regelmäßigen Teilnahmen am Kölner Rosenmontagszug vom dortigen Veranstalter in örtliche Uniformen gesteckt werden, zeigt sich daran im Umkehrschluß das typisch hannoversche Understatement. Hier kleine Filmsequenzen: Höven, Visbek.
Collegium ehemaliger Bruchmeister

Woraus sich dieser Block zusammensetzt, beschreibt der Name. Nach ihrer einjährigen Amtszeit werden dem Collegium jedes Jahr vier ehemalige Bruch­meister zugeliefert. Rechnerisch wären eigentlich mehr als die 20 bis 30 Mann zu erwarten; die Mitgliederzahl soll bei 170 liegen. Aber da die ehemaligen Bruchmeister ja in erster Linie Schützen sind, wird nur eine symbolische Abordnung aufgestellt, während die Mehrheit lieber in Schützenkleidung beim jeweiligen Verein mitgeht. Im Collegium behält man dagegen Frack und Zylinder bei. Auch die Standarte ist vorderseitig in Schwarz und Weiß gehalten (das andere Bild zeigt die Rückseite mit ihrer interessanten Vereinigung der vier Zugfarben). Dazu werden seit einigen Jahren ein oder zwei als Papageien gestaltete Zielscheiben hochgehalten, auf die in Anlehnung an das historische „Papagoyenschießen“ beim Schützenfest auch von Jedermann geschossen werden kann. Dort auf dem Schützenplatz legen die Herren beim „Bruchmeister-Rundgang“ am Donnerstag denn auch den besseren Auftritt hin: Hier klicken.
 
Die Schützenkönige
Im Vorzug werden zahlreiche Schützenkönige gewürdigt. Stadtkönig, Stadtkönigin und Stadtjugendkönig/in sind die wichtigsten Titel. Daß der Jugendtitel tatsächlich wechselnd von männlichen wie weiblichen Schützen gewonnen wird, läßt erkennen, daß beide Geschlechter zum Schießen im Endeffekt exakt gleich gute Voraussetzungen mitbringen (was man nicht erwarten würde, da ja räumliche Vorstellungskraft sehr von Belang ist). Mit den getrennten Wettbewerben im Erwachsenenbereich sollen wohl Befürchtungen oder Vorwürfe hinsichtlich Chauvinismus` bereits von vornherein vermieden werden. Für Außenstehende ist der Ablauf des „Städtischen Schießens“ kaum nachvollziehbar. Es findet Anfang Juni über drei Tage auf der Schießbahn in Hannover-Wülfel statt. Hohes Ansehen scheint diese Meisterschaft unter Hannovers Schützen unerklärlicherweise aber gar nicht mal zu genießen. Solche Königsschießen gelten allgemein auch als ziemlich glückslastig. Dementsprechend bringt früher oder später fast jeder Verein mal einen König hervor. Und jetzt kommt der Oberhammer: Beim Schützenausmarsch werden nicht die just ermittelten Könige gefeiert, sondern die soeben abgelösten des Vorjahres! Als frischgebackener Schützenkönig muß man also noch länger als ein Jahr auf seinen Triumphzug warten! Was kann dieses abenteuerliche Prinzip für Gründe haben? Vielleicht will man den Heimatvereinen der Könige mehr Zeit zur Erarbeitung der selbst vorzunehmenden Präsentationen geben (s. Beispielphotos unten). Und weil jene Vereine bei den Königen im Vorzug marschieren, könnte die Zugaufstellung andernfalls nur äußerst kurzfristig angefertigt werden. Seit 2010 verdoppelt sich der ganze Bereich um Regionskönig, Regionskönigin und Regionsjugendkönig/in, wobei in diesen Titelkämpfen die hannoverschen Schützen auch wieder weitgehend unter sich bleiben. Damit sind im Regelfall schon sechs Vereine im Vorzug angesiedelt. Hinzu kommen VHS-Mitgliedsvereine mit wichtigen Jubiläen, und dann von allen noch die Gastvereine. Auf diese Weise kann der Vorzug schonmal ausufern; 2017 enthielt er z.B. allein 19 Schützenvereine. NSSV-Landeskönige werden dagegen nur ohne Namensnennung innerhalb des Ehrengästeblocks geehrt. Ihre Wettkämpfe steigen unter anderem - wie verrückt geht es eigentlich noch - genau zur gleichen Zeit wie der Schützenausmarsch, so daß es sich ebenfalls um die Vorjahressieger handeln müßte. Etwaige Deutsche Meister, die angesichts der vielen Disziplinen nicht so selten sind, erfahren ihre Würdigung unabhängig von der Zugaufstellung bei ihrem Heimatverein. Als erste Nummer des 1. Zuges bekommen schließlich auch noch die sogenannten Volkskönige ihren Auftritt. Diese Laien hatten sich acht Tage zuvor beim Wettschießen mit dem Lichtpunktgewehr in einem Zelt auf dem Platz Kröpcke am geschicktesten angestellt.
 
 
 

Und hier hätten wir mal die Ketten für die Hannoverschen Stadtkönige im Bild.
Links Herren (die drollige Tierfigur, ein Wildschwein, ist tatsächlich auch Bestand­teil), mittig Jugend, rechts Damen:



- DIE VIER ZÜGE -
Struktur
Nach einem Zeitablauf, da die meisten anderen Schützenumzüge schon komplett durchgegangen wären, das Schild mit der Aufschrift „1. Zug“ zu entdecken, ist für den bewußten Zuschauer ein ergreifender Moment. Von nun an verläuft das Geschehen allerdings ohne Spannungsbogen. Daß eine Unterteilung in vier Züge stattfindet, hat keine tiefere Bedeutung und läßt sich selbst bei genauer Beobachtungsgabe kaum erkennen. Zwar ist die Zugaufstellung um die VHS-Vereine herum aufgebaut, und sind die VHS-Vereine wiederum - ohne dauerhaft einem bestimmten Zug zugeordnet zu sein - geographisch nach Nord, Ost, Süd und West auf die vier Züge verteilt, doch fällt das außer der Zugleitung an ihrem Schreibtisch niemandem auf. Statt einen Sinn zu entfalten, schadet diese Richtschnur mittlerweile, indem sie das Denken behindert. Aus einer Zeit stammend, in der sich das Gerüst aus rund 80 VHS-Vereinen zusammensetzte, wird sie jedenfalls auch noch mit rund 50 VHS-Vereinen munter aufrechterhalten, als gäbe es keine neuen Tatsachen. Aber gut, im Ergebnis wechseln nun so oder so Musikzüge und Schützenblöcke einander ab. Hannoversche Schützenvereine betreiben oft auch eine Kutsche, einen Anhänger oder einen Oldtimer für ihre Veteranen. Daraus entsteht dann klassischerweise ein „Zug im Zug“ wie folgt: Schildträger des Schützenvereins mit Startnummer, begleitender Musikzug, der Schützenverein, Gastverein 1, Gastverein 2, Wagen. Auch alle möglichen anderen Anordnungen sind zu sehen, z.B. daß die Fahne des Schützenvereins schon vor oder das Schild erst hinter dem Musikzug getragen wird, daß alle beteiligten Schützenvereine im Block ineinander verlaufen und ihre Fahnen voraus auf gleicher Höhe stolzieren, daß keiner oder bis zu vier Gastvereine dabei sind, daß zwei Musikzüge hintereinander gehen oder noch einer zwischen den Schützenvereinen eingepflanzt ist, usw. Sonstige Fußgruppen, Wagen und weitere Musikzüge finden sich wahllos über das Teilnehmerfeld gestreut. Nur die allerletzte Stelle ist vereinbarungsgemäß fest vergeben, nämlich an den Feuerwehr-Musikzug Bodenburg. Er übernimmt gern die Aufgabe, zwischen den Tribünen in der Bruchmeisterallee zu stoppen, und die „Ehrengäste“ vor sich auf die Bahn zu lassen, um sie - mit den zurückgekommenen vier Bruchmeistern selbst im Nacken - quasi auf den Schützenplatz zu treiben. Gewisse Strukturelemente bildeten oftmals noch Polizeireiterketten zwischen den insgesamt fünf Zügen, deren Arbeit darin bestand, die Bahn von vorgerückten Zuschauern freizusensen (das Wort trifft es wirklich). Inzwischen sind sie aber nicht mehr jedes Jahr unterwegs.
 
Kurzbeschreibung des Bruchmeisteramts
Bruchmeister wachten früher als städtische Beamte bei Festlichkeiten in Hannover über Recht und Ordnung. Heute leisten sie ehrenamtlich repräsentative Arbeit für die Stadt und das Schützenfest, zudem betätigen sie sich zugunsten wohltätiger Zwecke. Medial stark begleitet, lassen sich vier junge männliche Schützen aus den Vereinen immer für ein Jahr zu den neuen Amtsträgern küren. Es ist erstaunlich, welch heilige Aufmerk­samkeit die Bruchmeister umgibt (hier Aufnahmen von einer „Bruchmeister­verpflichtung“ im Rathaus). Offenbar wird mit dieser unverhältnis­mäßigen Hin­wendung die Ohnmacht bezüglich anderweitiger Verluste gebündelt kompensiert. Die „Bruchmeisterallee“ am Schützenplatz trägt ihren Namen auch noch nicht lange.
Farbenlehre der Zugstandarten

Uns interessiert nun, daß die Bruchmeister - jeweils begleitet von VHS-Funktio­nären - die vier Züge des Schützenausmarschs anführen. Dazu tragen sie Standarten in den Farben Weiß für den 1. Zug, Rot für den 2. Zug, Gelb für den 3. Zug, Grün für den 4. Zug. Diese Farben sind den Stadtflaggen Hannovers entnommen, der einstigen rot-gelb-grünen und der seit 1897 gültigen rot-weißen. Zu Zeiten, als es nur zwei Bruchmeisterstellen gab, kann diese Farbwahl logischerweise noch nicht in Betrieb gewesen sein. Mit der Aufstockung auf drei Bruchmeister und drei Züge 1837 war dann Rot/Gelb/Grün möglich. Bis heute hat sich sogar die flaggengemäße Reihenfolge erhalten. Daß in den 1920er Jahren als letzte Farbe das Weiß hinzustieß, ist genauso­wenig Zufall wie ihre Einsortierung neben dem Rot anstatt einfach ganz hinten. Von offizieller Seite wird jedoch hartnäckig das Märchen der Herkunft von den vier Quartieren verbreitet (z.B. hier). Wo da der Bezug zum Schützenausmarsch bestehen soll, wird nie erklärt. Wie auch, wenn es keinen gibt. Ferner leugnet man mit jener Theorie die allmähliche Erhöhung der Anzahl der Bruchmeisterstellen. Und schließlich verschweigt man, hinter welcher Fahne sich 1825, als die Bruchmeister frühestens mit dem Zuganführen begannen, die Schützen der damals schon eingemeindeten Calenberger Neustadt versammelten.
Fehlkonstruktion Zugstandarten
Nachdem die vorherigen Fahnen im 2. WK verbrannt waren, erblickten 1950 mit neuem Entwurf die Standarten das Licht der Welt. Deren nahezu baugleiche heutige Nachfolger bekunden, daß Ungereimtheiten und Mängel nicht mehr hinterfragt werden: 1. Ist die Verwendung der behördlichen Selbst­bezeichnung sowie des äußerst förmlichen Stadtwappens mit Helm, Helmzier, Schildhaltern und Boden überhaupt rechtens bzw. gegebenenfalls angebracht? Niemand weiß es, niemand erklärt es, niemand steht als Ansprech­partner zur Verfügung. Deswegen: Nein! 2. Da Gelb und Grün nicht zu den Stadtfarben gehören, haben die hoheit­lichen Kennzeichen auf solchen Unter­gründen nichts zu suchen. 3. Wenn den vier Farben entscheidende Bedeutung zukommt, ist es dämlich, die Rückseiten (s. Bilder) anders und zudem untereinander gleich zu gestalten. Kein Betrachter kann damit etwas anfangen. Zwar drehen sich die Standarten auch, aber mit Pech sieht ein Zuschauer viermal nur die Rückseiten.

4. Warum widmet sich die Rückseite Niedersachsen? Aus den sonstigen Verlautbarungen geht dieser landesbezogene Anspruch so nicht hervor, und um 1950 war das auch faktisch gar nicht zutreffend. 5. Es paßt schlecht zusammen, daß vorn ein Wappen und ein Schriftzug prangen, hinten dagegen lediglich ein Schriftzug. Dabei war das Niedersachsen-Wappen 1950 schon seit Jahren inoffiziell im Umlauf. 6. Niedersachsens Farben sind nicht Rot-Weiß, sondern Schwarz-Rot-Gold! Daß dies zwar erst 1951 beschlossen wurde, macht die Standarten nicht richtiger. Zu Rot-Weiß hätte man allenfalls „Sachsen“ schreiben können. Da die Farben offenbar vom Wappen mit dem Sachsenroß abgeleitet wurden, stellt sich erneut die Frage, warum man jenes nicht mit einarbeitete. 7. Während auf der Rückseite eine Farbkombination gezeigt wird, ist es auf der Vorderseite nur eine einzelne Farbe, die sogar noch auf das Zusammenspiel mit den drei Kollegen angewiesen ist. Damit liegt zwischen den Darstellungstypen ein Unterschied von zwei Stufen, wohlgemerkt an ein- und derselben Standarte. 8. Man kann es ja begrüßen, daß die neun Jahre zuvor verbotene Deutsche Schrift wieder angewandt wurde. Doch leider unterliefen bei den drei Wörtern vier Fehler. Dreimal hätte die andere s-Form genommen werden müssen, und „ch“ ist als Zwangsligatur unbedingt enger zusammenzufügen (Letzteres war bei den Ausführungen von 1950 noch berücksichtigt). 9. Die Standarten wirken auffallend billig. Es springt ins Auge, daß sie im Gegensatz zu allen anderen Standarten nicht als Einzelstücke von Hand gefertigt wurden. Wenn man viermal das gleiche Muster in Auftrag gibt, wird halt eine Maschine rangelassen. Quintessenz: Mit diesen Standarten in Händen können die Bruchmeister ihren edlen Auftrag unmöglich erfüllen.
Kleiner Rätselspaß: Im linken Bild wartet ein Bruchmeister auf seinen baldigen Einsatz. Welchen Zug läßt er gerade passieren? Und im rechten Bild sind zwei Bruchmeister nach getaner Arbeit wieder ein Stückchen zurückgegangen, um sich den restlichen Zug anzuschauen. Welche Farbe hat die Standarte, von der hier nur die Rückseite zu sehen ist?