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- UNIFORMFARBEN -

Schützenvereine kleiden sich nicht in Vereinsfarben, sondern in Grün oder Grau. Darin spiegeln sich wohl Anlehnungen ans Jagen bzw. ans Militär wider, wenngleich das Schützenwesen z.B. in Hannover unabhängig davon entstand. Innerhalb dieser begrenzten Auswahl gibt man wiederum umso mehr Acht auf die vielen möglichen Schattierungen. Bei hannoverschen Vereinen überwiegt Grün gegenüber Grau deutlich mit einem Verhältnis von mehr als 3:1, und innerhalb der Grüntöne liegt der Schwerpunkt dann nochmal bei düsterem Dunkelgrün. Dazu wird fast durch die Bank eine schwarze Hose bzw. ein schwarzer Rock getragen, wie es in ganz Niedersachsen die weitaus herrschende Regel ist. Von auswärts werden jedoch auch weiße Hosen in den Schützenausmarsch eingebracht. Um ein möglichst einheitliches Erscheinungsbild zu gewährleisten, versuchen sich Männer und Frauen innerhalb eines Marschblocks getrennt anzuordnen, was wegen der Kleinheit vieler Vereine und der Bildung vereinsübergreifender Blöcke mitunter verlorengeht. Eines sollte unbedingt jeder verstehen: Schützenuniformen sind keine historisierende Kleidung und auch keine Tracht. Das Schützenwesen ist ein erfolgreicher, bis heute vorhandener Aspekt unserer deutschen Kultur. Man hatte die Uniformen eigens entwickelt, damit die Schützen bei feierlichen Anlässen wie insbesondere den Umzügen so schön aussehen wie sie es tun - zeitlos!
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Größere einheitlich gekleidete Gruppen haben beim Schützenausmarsch heute leider Seltenheitswert. Dieser kleine Block setzt sich z.B. aus drei Schützenvereinen zusammen. Vorn sind die Jacken moosgrün, dahinter petrol, am Ende taubengrau. Auch die drei Frontleute lassen sich zuordnen:


Unterschiedliche Farben für die Geschlechter innerhalb eines Vereins wider­sprechen eigentlich dem Uniformsinn. Im ländlichen Raum beobachtet man sie normaler­weise auch nicht, wohl aber bei mehreren hannoverschen Vereinen:
 

Deutschlandweit betrachtet sind weiße Hosen keineswegs selten, in der hannoverschen Vereinslandschaft kommen sie jedoch nur beim SSC Adlerhorst vor. Als allgemeine Kuriosa kann man hingegen die Hosen der BSG Herrenhausen 08 und des HJK bezeichnen:
    

Wenn Schützenvereine bei starker Hitze ohne ihre Jacken losziehen, scheint von ihnen nicht viel übrig geblieben zu sein. Immerhin fällt dann aber umso mehr auf, welch ausgefeilte Wucht doch in der vollständigen Schützenkleidung steckt:

Andere Farben als Grün- oder Grautöne sind im Grunde verpönt. Nur wenige Vereine wagen es, mit der Tradition zu brechen. In der obigen Tafel fielen bereits die Damen der USG Ahlem mit roten Hüten und Schirmen auf. Hier nun eine Zusammenstellung ungewöhnlicher Jackenfarben. Auf den ersten drei Bildern sind die Damenabteilungen der SG Hainholz (lila), des VfF Hannover (rot) und die Schützenabteilung des Fanfarenkorps` Hannover (blau) zu sehen.
 
 
 
 

Ohne diesen Farbtupfer wäre der Schützenausmarsch unvollständig - der DSC Linden trägt Currygelb! Es ist ein sichtlicher Ausfluß des Hannovers der 70er Jahre, als das hiesige Schützenwesen vor Begeisterung überquoll:

Frack/Smoking und Zylinder, das ist nochmal eine ganz andere Art von Schützen­kleidung. Je nach örtlichen Vereinen sind manche Schützenfeste in Norddeutsch­land sogar davon geprägt (z.B. Neustadt/Rübenberge und Nienburg). Historisch kannte man das auch in Hannover, oft als erste Uniform eines neu entstandenen Schützenvereins. Offensichtlich hielt man dieses Dreß aber für ungeeignet, so daß dergestalt nur die Bruchmeister und mithin das „Collegium ehemaliger Bruchmeister“ übrigblieben. Des Weiteren treten beim Schützenausmarsch der „Club Germania“ aus Burgdorf, die Junggesellenkompanie Hildesheim, meist die Bürgerkompanie Großenheidorn und oft noch westfälische Mitwirkende in Schwarz-Weiß auf. Solche Vereine fühlen sich offenbar untereinander verbunden, denn daß die Burgdorfer und die Hildesheimer als gemeinsamer Block laufen, anderntags auch zusammen mit dem CeB über die Schützenfeste tingeln, wird kein Zufall sein. Da diese Kleidung immer auch das Fehlen einer Damenabteilung bedeutet, ist der Ansatz wohl die Lust auf geschlossene Männergesellschaft.
 

 




- WEITERE AUSSTATTUNG -

Hutschmuck
Von links oben nach rechts unten läßt sich beim Schützenausmarsch folgender Hutschmuck bewundern: 1. Gamsbart (von Gemse, Rothirsch, Wildschwein oder künstlich). 2. „Hahnen­schlappe“ (Schwanzfeder des Haushuhn-Hahns, meist dunkel). 3. „Federbusch“ (immer künstlich und grell gefärbt). 4. Schwanzfeder des Birkhuhn-Hahns bzw. laut Szenesprache des „Spielhahns“ (immer künstlich, wobei die Art auch in Niedersachsen lebt). 5. Rosette aus Haaren des Rehs mit kleiner Feder dran. 6. „Adlerflaum“ (immer künstlich). 7. Ein etwas längerer Schopf (Genaueres unbekannt). 8. Fasanenfedern (von Gehegetieren):


Vorn angebrachtes Eichenlaub ist auch noch eine Möglichkeit, wahrgenommen
vom Eldagser Jägercorps und dem Uniformierten Jägercorps Pattensen.


Unter den hannoverschen Schützenvereinen hält man nicht viel von extravaganter Ausstaffierung (insbesondere Federbüsche kommen niemals vor). Manche verzichten auf jeglichen Hutschmuck - und nicht wenige auf einen Hut überhaupt. Umso erfreulicher, daß Linden 04 mit echten Adlerfedern Hannovers Ehre rettet:

Metallbehang
Eine Schützenuniform ohne Orden, Anstecker, Ketten, usw. wirkt enttäuschend. Sie ist also geradezu auf metallische Veredelung hin ausgelegt. Offenbar hat auch jeder Schütze die Möglichkeit, an diese oder jene Schmuckstücke heranzukommen. Die einzelnen Bedeutungen verstehen zu lernen, wird in Anbetracht der Vielfalt wohl ein aussichtsloses Unterfangen sein. Kettenartiger Schmuck mit Anhänger in Schildform weist auf den Schützenkönig des Vereins hin, soviel scheint wenigstens klar. Aber man kann die Schützen vorher auf dem Trammplatz oder nachher auf dem Schützenplatz ja selbst drauf ansprechen. Für Liebhaber des Sachgebiets ist Hannover an diesem Tag das Paradies.



Wenn die Schützenvereinigung Döhren vorüberkommt, sollte man dem Kettenträger besondere Aufmerksamkeit schenken. Es handelt sich um ein Königsschild, das den Döhrener Schützen 1861 noch vom letzten Hannoverschen König Georg V. gestiftet worden war.

Waffen
An Zeiten, als beim Schützenausmarsch noch Feuerwaffen mitgeführt wurden, erinnert sich niemand mehr. Attrappen aus Holz wären zwar günstig beschaffbar, doch scheint in Hannover kein Interesse an diesem möglichen echteren Auftreten zu bestehen. Verboten sind sie aber nicht, denn hin und wieder laufen auswärtige Vereine damit auf (2018: 3).
 

Von den beiden urtümlichen Fernwaffen werden Pfeile-und-Bögen zwar vom VHS-Mitgliedsverein VfL Grasdorf gezeigt, aber da sich die Vertreter dieser Disziplin nicht uniformieren, will das so bei einem Festumzug keiner angucken. Erheblich gewehrähnlicher funktionieren die auch optisch aufregenden Armbruste. Mit solchen Schußgeräten begann das Schützenwesen einst. Von hannoverscher Seite aus wird für den Schützenausmarsch leider kein Vorhandensein eines Schauobjekts sichergestellt, daher muß man auf auswärtige Vereine hoffen.


Wozu Degen/Säbel benötigt werden, ist nicht ganz einleuchtend. Natürlich spielen sie in einem so formlosen Schützenumzug wie diesem keine Rolle, aber wer danach sucht, wird sie bei einigen Vereinen entdecken. Unerwarteterweise trifft das mit Linden 04 (mittiges Bild) auch auf einen hannoverschen Verein zu.
  

Schirme
Vereinzelt sind Damenabteilungen mit Schirmen unterwegs. Jene dienen nicht immer nur dem Bedarfsfall. Bei zwei Vereinen werden sie stets geöffnet getragen, nämlich bei der SG Letter (oben rechts) und der SG Heimat (unten). Damit gehören sie mit dem jeweiligen Muster zur Uniform. Wie man sieht, beherrschen die Schirme das Erscheinungsbild als drastisches Markenzeichen.
 
 




- WAHRZEICHEN DER VEREINE -

Wappenschilder
Auf übersichtlicheren Schützenumzügen kennt man sie weniger, aber in Hannover sind die Wappenschilder eine besondere Spezialität. Mit der angehefteten Startnummer werden sie den Blöcken - meist von einer jugendlichen Person - vorangetragen. Einige der Schilder können auf jahrzehntelange Schützenausmarsch-Erfahrung zurückblicken, andere wurden hingegen in letzter Zeit erneuert. Wenn man als Zuschauer nicht bewußt drauf achtet, wird man sie allerdings schlecht wahrnehmen, denn in dem großen Umfeld sind sie bei aller Schönheit doch recht unscheinbar. Anbei eine Übersicht mit Schildern hannoverscher Schützenvereine.

Hubertus, Kirchrode, Linden 04, Badenstedt, Adlerhorst, Weststadt, Groß-Buchholz:

Alt-Linden, DSC Linden, BSG Herrenhausen, JSVg 82, Lauenrode, Oststadt, Kleefeld:

Döhren, Bemerode, Stöcken, Kronen-SG, SS Vahrenheide, Nördl. St., BSG Linden:

Vahrenwald, JSG 49, Mittelfeld, Heimat, FSG Linden, Ricklingen, Hainholz:

Fahnen
Als größtes Heiligtum gelten den Schützenvereinen ihre Fahnen. Edel angefertigt mit aufwendigen Stickereien auf schwerem Stoff, ist jede ein Einzelstück. Bestimmte Regeln für die Gestaltung scheint es nicht zu geben; insbesondere kommt es nicht unbedingt auf die Wiedergabe von Vereinsfarben und Vereinswappen an. Auf zwei unterschiedlichen Schauseiten mit oft dunkelgrüner bzw. cremefarbener Grundfarbe werden Schießscheiben, Gewehre und andere Schützenmotive, Hirsche und anderes Wild, Adler, Stadtansichten und andere Motive der Heimat, sowie Weisheiten und Sprüche aus dem Schützenwesen dargestellt, verziert mit Eichenlaub, Lorbeer und anderer Ornamentik. Viel erkennen läßt sich an den schlaff hängenden Fahnen jedoch nicht, und es sei die Frage gestattet, bei welchem Anlaß das jemals anders ist.

Mehr zu sehen bekommt man, wenn die Stange waagerecht gehalten wird. Dann allerdings ist die Fahne um 90 Grad verdreht ...

Obwohl es ja irgendwie immer um diese Farben kreist, führt unter den heutigen hannoverschen Schützenvereinen nur die „Schützengesellschaft der Weststadt“ alle drei als Vereinsfarben. Es sind die alten Farben Hannovers, wenn auch in um­gekehrter Reihenfolge:

Bilden mehrere Vereine einen gemeinsamen Marschblock, oder holt ein Jubiläums­verein mal alles aus sich heraus, können ganze Fahnenphalanxen entstehen:

Teils bekommen die Fahnenstangen einen Kranz aufgesetzt, damit sie auch noch allerlei Bänder aufnehmen können, welche wohl zu Jubiläen gestiftet oder als Freundschaftsbeweis von anderen Vereinen gespendet werden:

Standarten
Viel schöner als die Fahnen sind die aufgespannten Standarten anzuschauen. Dennoch führt nur eine klare Minderheit der Schützenvereine Standarten anstatt Fahnen (bei den Musikzügen sind sie dagegen der Normalfall). Teils werden sie zur Ergänzung von Fahnen eingesetzt, oder für andere Ebenen wie z.B. Kreisverbände oder Jugendabteilungen verwendet. Insgesamt betrachtet ist der Unterschied im Prestige offenbar gewaltig. Standarten müssen aus Stabilitätsgründen auch etwas kleiner bleiben.
 


Schärpen
Schärpen werden zwar von einzelnen Schützen getragen, dienen aber dennoch allein der Schmückung des gesamten Marschblocks eines Vereins. Hierzu sind diese Stoffbänder oftmals dem Fahnenträger und dessen etwaigen Begleitern umgelegt. Verschiedentlich können auch Vereinsvorsitzende oder andere Amtsinhaber damit ausgestattet sein. Über die richtige Trageweise ist man sich uneins: Standardmäßig hat die Schärpe über der rechten Schulter zu hängen, doch besteht ebenso die Anschauung, daß sie bei rechts von der Fahne gehenden Personen auf der linken Schulter liegen müsse (alles aus Sicht des Trägers betrachtet). Schärpen sind bei Schützenvereinen der einzige wirklich klare Ausdruck für die Vereinsfarben. Mehr als drei Exemplare wären aber auch nicht zielführend, da sie die Uniformen zu sehr außer Kraft setzen.




- VEREINE MIT BESONDEREM AUFTRETEN -

Drei Vereine marschieren beim Schützenausmarsch mit Mänteln (Interimsröcken) als Festtagskleidung, nämlich die Schützengesellschaft Bremervörde, die Schützengilde Clenze und das nicht immer anwesende Eldagser Jägercorps.


Einen sehr wichtigen Beitrag leistet das „Alte Blomberger Schützenbataillon“ aus Westfalen-Lippe. Mit unglaublichen 150 Mann führt es in Hannover vor Augen, wie attraktiv schon die reine Menge ist. Obendrauf gibt es den umwerfenden Anblick der in lippischen Farben bewimpelten Speere. Eigentlich überschneidet sich das Blomberger Schützenfest mit dem hannoverschen, doch da es „zum Glück“ nur in den ungeraden Jahren abgehalten wird, ist in den geraden Jahren der Weg nach Hannover frei. Und so gehört der Ausflug inzwischen fest zum Vereinsleben.

 


Die „Schützengesellschaft Historisches Freischießen Wennigsen“ verbindet das Schützenwesen mit der Nachstellung historischer Ereignisse. Hier kann man sich mal anschauen, was die Jungs bei sich zu Hause am Deister so treiben. Obwohl es ja ein Katzensprung ist, kommen die Wennigser leider nur mit einer Wahrschein­lichkeit von geschätzt 60% nach Hannover. Wenn sie aber da sind, um mit verschiedenen Teileinheiten Spektakel zu veranstalten, erfreuen sie sich immer großer Beliebtheit. In ihrer Ausstattung sind auch Waffenattrappen enthalten. Diese Art von Schützentradition ist im hannoverschen Raum einmalig.
 
 
 

Zuletzt 2012 und 2017 nahm mit großer Menge der „Junggesellen-Schützenverein Wettringen“ teil. In seiner Heimat, dem Münsterland, gilt die Mitgliedschaft im Schützenverein offensichtlich noch als angesagt. Am doch sehr selbstbewußten Auftreten der Wettringer braucht man gar nicht erst zu mäkeln anfangen, denn ihre jugendliche Frische tut dem Schützenausmarsch auf jeden Fall gut!



Drei jeweils sporadisch anreisende Vereine sind bei genauerem Hinsehen nicht in Schützenkleidung gewandet, sondern in schneidigere Militäruniformen. Der Tostedter Schützenverein, die Jägerkompanie der Bevenser Gilde und die Jägerkompanie der Schützengilde Bodenteich hatten historisch die Erlaubnis erhalten, Uniformen der „Hannoverschen Jäger“ (Vertiefung hier) zu tragen. Bei den Tostedtern ist der Grund, daß der Hannoversche König Georg V. ihr erster Schützenkönig war, wobei er wegen Blindheit einen Vertreter schießen ließ ...


Die „Schützengilde zu Clenze“ bringt aus dem Wendland jedes Jahr ihren Pokal mit, den sie 1851 von König Ernst August gestiftet bekam. Ohne dieses Wissen ist das gute Stück schwer zu entdecken; auf dem Bild befindet es sich z.B. gerade vor dem Zuschauer mit dem roten Oberteil (hier aber mal eine Großaufnahme). Durch gelb-weiße Federbüsche äußern die Clenzer bis heute ihre Dankbarkeit. Es liegt an uns, bei diesem Kult mitzumachen.


Einige weitere auffallende Schützenvereine werden auf der Unterseite „Sonstige Fußgruppen“ behandelt.