Startseite / Impr. Allgemeine Angaben Zur Geschichte →
Hannoversche Szene Zugaufstellung Die Schützenvereine
Die Musikzüge Sonstige Fußgruppen Kutschen und Wagen
Filmverzeichnis Teilnehmer-Statistik Wertschätzung
Aspektbetrachtungen Zukunftsaussichten Vorschlagsportal →





- SPIELMANNSZÜGE -



Der Spielmannszug im eigentlichen Sinne besteht aus einem klar umgrenzten Instrumentarium: Querpfeife (nicht Querflöte), Lyra-Glockenspiel und Marsch­trommel, dazu noch Große Trommel (nicht Pauke) und Becken. Mehr braucht es nicht für ein großartiges Gesäusel und Geklirre! Im Gegenteil, jedes andere Instrument würde den perfekten Wohlklang nur gefährden. Mit seiner ihm eigenen Leichtigkeit führt der Spielmannszug Stücke aus verschiedensten Richtungen auf, wobei Märsche nicht wegzudenken sind. Als Uniform kommen weitgehend alle Farben vor, nur Gelb fast nie (gelbe Ausnahme wäre der SZ Glück-Auf Lindhorst). Grün erscheint überdurchschnittlich häufig, da Spielmannszüge vielfach auch aus Schützenvereinen heraus entstanden sind. Dunkelblaue Jacken - oder bei deren Ablegen bläulichweiße Hemden - mit schwarzen Hosen deuten auf die zahlreich am Schützenausmarsch beteiligten Spielmannszüge von Feuerwehren hin. Die Schnitte sind nicht schlicht, doch grundsätzlich knapp. Auch für die Kopfbedeckung muß es etwas Kleines sein, z.B. das nur hier anzutreffende Schiffchen. Spielmannszüge führen meistens tatsächlich den Namen „Spielmannszug“. Nichts gegen andere Arten von Musikzügen, aber zur unmittelbaren Begleitung eines Schützenvereins ist einfach nur der Spielmannszug vollauf stimmig. Er sieht immer so ordentlich aus, weil alle Bläser bzw. Pfeifer mit der gleichen Haltung das gleiche Instrument bedienen. Daß man sich mit der Querpfeife am Mund nicht verletzt, wenn man mal gegen den davor laufenden Mitspieler stoßen sollte, bestätigt den Spielmannszug als natürliche erste Wahl für Musik in Bewegung. Ein Hoch auf den Spielmannszug! Nach dem Schützenausmarsch werden es die Querpfeifen, Lyren und Marsch­trommeln sein, die dem Zuschauer tagelang in den Ohren klingeln! - Hörbeispiel
 
 
 
 
 
 
 




- ALLGEMEINE BLASKAPELLEN -



Unter diesen Begriff könnte man eine zweite Gruppe von Musikzügen fassen. Es ist die klassische Blaskapelle, nur halt in Bewegung. Querpfeifen und Lyren sind hier eher nicht enthalten, dafür viele Blasinstrumente von der Klarinette über Trompete und Posaune bis zur Tuba. Mit dieser Vielfalt gelingt es, den Klangraum volumig auszufüllen. Das Schlagwerk bleibt gegenüber dem Spielmannszug eigentlich gleich, aber die Bedeutung der Marschtrommeln nimmt ab, diejenige von Großer Trommel und Becken nimmt zu. Im Einzelnen ergeben sich höchst unterschiedliche Zusammensetzungen, wobei die Anzahl der Klarinetten den größten Einfluß auf die Klangfarbe ausübt. Gespielt wird die ganze Bandbreite, mit Tendenz zum Traditio­nellen. Farblich bestehen keine Unterschiede zu den Spielmannszügen, außer daß das schützenhafte Grün etwas zurücktritt, um noch mehr dunkelblauen Feuerwehr-Uniformen Platz zu machen. Die Mitglieder der Feuerwehrkapellen sind auch nicht mit größerer Wahrscheinlichkeit Feuerwehrleute, sondern sie leben schlicht in einem Ort, in dem das Blasmusizieren unter dem Dach der Feuerwehr organisiert ist. Als typischste Kopfbedeckung wäre die Schirmmütze zu nennen. Kurze Röcke wird man nicht vorfinden (Ausnahmen waren die früher häufig beteiligten skandinavischen Mädchenkapellen), stattdessen erweitert sich das Spektrum ins weite Feld der Trachten-/Landhausmode hinein. Von den Namen her ist kein Schwerpunkt feststellbar; „Blaskapelle“ kommt nur selten vor.
 
 
 
 
 
 
 

„Die Original Calenberger“ aus Gehrden treten in landschaftstypischer Tracht auf:

Jedes Mal lädt der Veranstalter eine volkstümliche Kapelle aus dem süddeutschen Kulturraum ein. Diese spielt dann auch anderweitig während des Schützenfestes, z.B. bei der Eröffnung in der Marktkirche. Irgendwas müssen wohl die Schützen von Linden 04 dazu beitragen, sonst würden sie nicht immer ausgerechnet hierin ihren begleitenden Musikzug finden. Zusammen werden sie dann an die Spitze des Zuges mit den westhannoverschen Vereinen gesetzt. Beträfe es das Schützenlager, wäre der Grund selbsterklärend, aber warum man bei der Musik so sehr auf den Austausch mit Süddeutschland erpicht ist, bleibt fraglich.
 
 




- MARCHINGBANDS -



Mannigfaltig erscheint auch das letzte Drittel der Musikzüge, und dennoch herrscht hier ein gemeinsamer Nenner, der sie deutlich von den Allgemeinen Blaskapellen abheben läßt. Unter den Bläsern verschwinden Klarinette und Tuba, hinzu kommen weitere trompetenartige Instrumente und das riesige Sousaphon. Die Rhythmus­fraktion benutzt zahlreiche verschiedene Trommeln und Zusätze wie Holzblocks. Von der Klangfarbe her ähnelt das zwar immer noch der Allgemeinen Blaskapelle, jedoch erfolgt die Definierung über die Spielweise: Zu unglaublich wildem Getrommel spielen die Bläser keine sauberen Noten, sondern sie ziehen die Töne ineinander. Bei manchen Gruppen sind Bewegungen, Körperhaltung und Mimik streng durchgestaltet. Wie man sich nun denken kann, umfaßt die Liedertafel ausschließlich Modernes. Die Uniformierung verteilt sich auf drei Richtungen, erstens die hochgestochen-militaristische meist mit dem topfartigen Tschako-Hut und aufrechtstehendem Federstab drauf, zweitens die nüchtern-coole, drittens eine abgeschwächte Landsknechtsdarstellung (als viertes käme noch die in Nord­deutschland fremde und beim Schützenausmarsch nur sporadisch vertretene Kultur der Guggenmusik hinzu). Die dritte Richtung ist oft an Flammenmustern und waagerecht an den Hüten hängenden Straußenfedern zu erkennen. Entsprechende Musikzüge waren dann in ihrem Werdegang vormals Fanfarenkorps`. Restlos alle namentlichen „Fanfarenkorps`“ und „Fanfarenzüge“ aus Hannover und Umgebung betätigen sich heute in Wahrheit als Marchingbands. Überhaupt läßt sich von der Namensgebung her nicht auf eine Marchingband schließen, zumal auch jene Bezeichnung sich bisher noch nicht als Gattungsbegriff durchgesetzt hat. Was ist nun von dieser Art Musikzug zu halten? Einerseits stellen sie sich gegen Tradition, andererseits fördern die Gruppen aktiv die Straßenumzüge. Marchingbands sind die einzige Gattung, die unter der hannoverschen Stadtbevölkerung noch Spieler findet. Und den Schützen scheint es auch zu gefallen, denn sie laden sich diese Musik freiwillig zu ihren Veranstaltungen ein, obwohl auch andere Angebote verfügbar wären. Der Schützenausmarsch kann mit rund 20 Marchingbands eine Spezialität in diesem Bereich aufweisen. - Hörbeispiel
 
 
 
 
 
 
 

Für seine sagenumwobene Entstehungsgeschichte ist „Billy Mo`s Musikzug Wunstorfer Auetaler“ bekannt:

Alle Musikzüge bringen tadellos ihre Leistung, doch einer sticht trotzdem sehr auffällig heraus. Kaum zu glauben, daß auf dem platten Land (Neustadt/Rüben­berge) so etwas wie das „Trompeter-Showcorps Leinegarde“ hervorgebracht wird. Man merkt es an jedem einstudierten Schritt, an jeder einzelnen Bewegung, aber auch am fast pausenlos vorgetragenen Spiel, daß hier gerade lupenreine Weltklasse vonstatten geht. Dafür sei dann auch die unabdingbare Egozentrik verziehen. Beim Schützenausmarsch wird das Auftreten der Gruppe intensiv mit der Kamera begleitet, alles verlinkt auf der Unterseite „Filmverzeichnis“ in der Abteilung „Erlebnisberichte aus dem Zug heraus“.
 




- VERSCHIEDENE BEMERKUNGEN ZU DEN MUSIKZÜGEN -

Als Beobachter könnte man auf den Gedanken kommen, daß die Musikzüge für die Schützenvereine (und weitere Teilnehmergruppen) freundlicherweise Dienstleistungen erbringen. Ganz so ist es nicht. Zwar stimmt es, daß die Schützen für ihre Feste und Umzüge auf die Musiker angewiesen sind. Aber dieses Verhältnis beruht auf ausgeglichener Gegenseitigkeit, denn die Musikzüge schöpfen ihren Daseinszweck eben aus der Mitgestaltung solcher Anlässe. Gäbe es die Schützen nicht, sähe es mit Auftrittsgelegenheiten schon ziemlich mau aus. Man könnte dann vielleicht reine Musikumzüge auf die Beine stellen, doch würde sich dabei jeder fragen, ob Platzkonzerte nicht logischer wären, und die werden von den Musikern nunmal als weniger reizvoll empfunden. Von daher kann es gar nicht sein, daß die Musiker mit Unverständnis oder herablassend über die Schützen denken. Beides muß uns erhalten bleiben, das Musikzug- und das Schützenwesen als Gesamtpaket!

Von Null auf Hundert verbessert das „Musikcorps Alt-Garbsen“ seine Optik dank angesteckter Schützenfest-Fähnchen. So etwas ist immer eine gute Möglichkeit, sein Bewußtsein für die Veranstaltung auszudrücken.

Auch wenn man bisweilen diesen Eindruck hat, ist das Spielen im Musikzug kein Hexenwerk. Wie bei jeder Sache wird sicherlich ein Teil der Versuchenden scheitern, aber die breite Masse der Bevölkerung könnte die Techniken in erstaun­lich kurzer Zeit erlernen. Niemand sollte sich durch zuviel Respekt dran gehindert fühlen. Viele Musikzüge geben auf ihren Netzseiten sogar ausdrücklich an, daß zum Einstieg keine Notenkenntnisse erforderlich sind, da diese entweder beigebracht werden, oder sowieso nach anderen Systemen als nach Noten gespielt wird!

Was man beim Schützenausmarsch nicht alles entdecken kann. Dieser Adler thront auf dem Schellenbaum des „Musikkorps` der SG O.v.R. Gehrden“:

Markantes, wiederkehrendes Liedgut gibt es beim Schützenausmarsch nicht zu vernehmen. Jeder Musikzug wählt nach Belieben aus seinem Repertoire aus. Ein besonderes Hausrecht haben traditionell eigentlich drei äußerst hochklassige Kompositionen, die auf Schützenfesten in ganz Niedersachsen erklingen und von den meisten Musikzügen beherrscht werden:
„Ihr lustigen Hannoveraner“ (Reinhören 1, 2),
„Wir sind die Niedersachsen“ (Reinhören 1, 2),
„Auf der Lüneburger Heide“ (Reinhören 1, 2).
Aber auch die Wahrscheinlichkeit, diese Lieder als Zuschauer mitzubekommen, ist nicht mehr sehr groß. Weitere Lieder können hier wegen der Zersplitterung unmöglich aufgelistet werden, ohne daß es irreführend wäre. Das gilt leider auch für dieses knackige Stück, den „Marsch der Hannoverschen Pioniere“.




- ANDERS INSTRUMENTIERTE MUSIKZÜGE -

Fanfare
Das Spiel der Fanfarenkorps` setzt sich aus den namensgebenden Blasinstrumenten und dumpfen Landsknechtstrommeln zusammen. Weil sich mit den ventillosen Fanfaren nur eine bestimmte Reihe von Tönen ansteuern läßt, bedarf es darauf zugeschnittener Kompositionen. Äußerlich sind Fanfarenkorps herkömmlich durch ihre landsknechtsartige Verkleidung erkennbar, wobei sich dagegen im Osten infolge der DDR eine völlig andere Auftrittspraxis behauptet. In Norddeutschland ist das Fanfarespielen fast ausgestorben. Die stolze Haltung mit der freien Hand an der Hüfte, die sirenenhaft durchdringenden Laute, die urig-staksigen Melodien, das schlackernd anhängende Tuch - als ob die Trompete dafür ein gleichwertiger Ersatz wäre. Entgegen dem offensichtlichen Volkswillen beschafft die Leitung des Schützenausmarschs deshalb jedes Jahr ein Fanfarenkorps von weither, zuletzt meist das „Fanfarencorps Landsknechte Halver“ (Sauerland; schwarz-weiß) oder den „Werkvolk-Fanfarenzug Bann“ (Pfalz; schwarz-gelb). Das Blasen der Fanfare scheint vergleichsweise anstrengend zu sein, jedenfalls stellt man bei den Gruppen im Umzug erhöhten Leerlauf fest. - Hörbeispiel

 

Der „Fanfaren- und Musikzug Frankershausen“ zeugt noch von einer Zeit, als das Fanfarenspiel sogar über die Landsknechte hinaus ausgeübt wurde. Er entwickelte sich dann zu einem zweigeteilten Zug, in dem eine Fanfarenabteilung und Allgemeine Blasmusikanten abwechselnd Lieder spielen. Auf dem Bild ist gerade die Schwelle eingefangen; und hier eine Filmaufnahme. Für einen weit entfernt angesiedelten Musikzug wirken die Hessen ungewöhnlich treu beim Schützen­ausmarsch mit. Ihr regelmäßiger Einsatz begann schon in dessen großem Zeitalter, und hält bis heute an.

Schalmei
Sie sehen ulkig aus, klingen etwas schwach und jammernd, vertragen keine Mischung mit anderen Bläsern, aber ihren eigenen Charme kann man den Schalmeien nicht absprechen. Beim Schützenausmarsch ist diese Gattung jedes Jahr durch die weit und breit einzige derartige Kapelle vertreten, den „Schalmeienzug Osterhagen“ vom Rand des Harzes. - Hörbeispiel

Jagdhorn
Mit Hörnern wird ja nun wirklich ein betörender Klang erzeugt. Passendes Umfeld dafür ist allerdings die Naturlandschaft. Beim Schützenausmarsch gehen „Die Hannöverschen Jagdhornbläser“, das „Parforcehorn-Bläsercorps Hubertus Hannover“ (auf einem Wagen) und das Weetzener „Jagdhorn-Bläsercorps Calenberg“ (ebenfalls auf einem Wagen) ziemlich unter. Das läßt sich auch nicht ändern, denn wenn man die anderen Musikzüge noch mehr auf Abstand hielte, wären die Jagdhornbläser zum unmöglichen Durchspielen genötigt. Schon aus Prinzip möchte diese Bläsergattung zweifellos trotzdem niemand missen. - Hörbeispiel
 

Dudelsack
Eine Dudelsackband gehört zur Grundausstattung des Schützenausmarschs. Trotz steigender Spielerzahl bringen die norddeutschen Kapellen allerdings auch mit vereinten Kräften kein vernünftiges, verläßliches Angebot zustande. Deshalb muß für die eigentümlich dramatische Stimmung immer wieder auf die professionelle Gruppe „The Islanders“ von der niederländischen Insel Ameland zurückgegriffen werden. Unklar ist, wieso sich alle Spieler dieses auch in unserer Kultur beheimateten Instruments reflexartig auf Schottisch trimmen. - Hörbeispiel