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- CHOREOGRAPHISCHES -

Puschelgruppen
„Puschelgruppe“ steht zwar noch nicht im Duden, scheint aber tatsächlich die geeigneteste Bezeichnung für diese Akteurinnen mit ihren Vorführungen zu sein. Als Bestandteil vieler Marchingbands tänzeln sie vorneweg, um gemeinsam eine vollkommene Einheit aus Klang und Anblick hinzuzaubern. Eine tolle Sache! Aber wenn sich Musikzüge durch eine Puschelgruppe selbst aufwerten, kann man das beim besten Willen nicht mehr als „Begleitung“ für einen Schützenverein ver­kaufen. Warum treten die betreffenden Musikzüge nicht als selbständige Nummern an?! Verdient wäre es doch.
 
 
 

Gleich in zweifacher Hinsicht muß die Puschelgruppe des „Spielmannszuges vom Schützenverein Gümmer“ hervorgehoben werden. Zum einen, weil sie beweist, daß diese Übungen genausogut auch vor Spielmannszügen funktionieren. Und zum anderen, weil sie immer sicherstellt, daß auch die allgemeinen Schützenfest-Farben Grün-Weiß als Puschel vertreten sind. Hier die Gruppe im bewegten Bild.

Fahnenschwenker
Vereinzelt betreiben Marchingbands Fähnchen- anstatt Puschelgruppen. Auch diese sind in der Regel rein weiblich besetzt. Aus dem Kern der Teilnehmerschaft des Schützenausmarschs wird solch ein Angebot derzeit nur von der „Marchingband Flying Drums Hannover“ geliefert. Hier eine Aufnahme der Gruppe.
 

Die Nummer des jeweiligen Fanfarenkorps` beginnt artgemäß mit einer längeren Reihe von Fahnenschwenkern („Fanfarencorps Landsknechte Halver“ in Schwarz-Weiß, „Werkvolk-Fanfarenzug Bann“ in Schwarz-Gelb):
 

Weiters nahmen zuletzt die „Fahnenschwinger Niedersachsen“ aus Algermissen und die „Berliner Fahnenschwinger“ teil (beide unglaublich unästhetisch), sowie Fahnenschwenker der „Bürgerschützengesellschaft Holzminden“.




- GARDEMÄDCHEN -

Daß sich Faschingsvereine an einem Schützenumzug beteiligen, ist durchaus sehr ungewöhnlich. Im Rheinland zum Beispiel, wo man damit rechnen könnte, wird beides strikt getrennt. Dabei passen die Gardeuniformen schon gut dazu; manche Schützenvereine und besonders Musikzüge tendieren ja selbst ein bißchen in die Richtung. Solange sich nur die hannoverschen Faschings­vereine (und der Langenhagener) einreihen, wird die Entwicklung auch nicht ausufern. Es gibt da allerdings ein Ärgernis: Die Geschwindigkeit bei einem Schützenumzug ist zu hoch, als daß die Gardemädchen ihre typischen Bewegungsmuster entfalten könnten. Im „Stampfschritt“ wären sie zu langsam. So bleibt ihnen - mit einigen weiteren Vereinsvertretern hintendran - hauptsächlich nur das Spazierengehen übrig. Wahrscheinlich deshalb entsenden die Vereine bevorzugt ihre jüngeren Riegen auf die Strecke.
 
 
 

Daß Blau-Weiß Linden (genannt „Lindener Narren“) Hannovers führender Faschingsverein ist, erkennt man auch beim Schützenausmarsch:




- BALLKLEIDER -

Höfische Mode
An einer Stelle wird der Schützenausmarsch plötzlich maßlos überkandidelt, nämlich wenn das „Hannöversche Traditionscorps“ vorüberkommt (bezüglich der Frauen könnte man auch meinen, daß es vorüberschwebt). Leidenschaftlich befaßt sich diese Gruppe mit der Gewandung am welfischen Hofe zur Zeit des Königreichs Hannover von 1814 bis 1866. Haupttätigkeitsfeld des HTC sind eigentlich die dreimal jährlich auf der südöstlichen Hälfte der Georgstraße stattfindenden „Schorsenbummel“. Wäre ja zu schade, wenn es dabei bliebe, denn mit dem riesigen Thema und dieser Pracht wertet man natürlich auch den Schützen­ausmarsch entschieden auf!
 

 

Schützenbräute
Falls dies der falsche Ausdruck sein sollte, wäre das zu entschuldigen, denn aufgebrezelte Damen an der Hand zu führen, ist keine in Hannover oder sonstwo in Niedersachsen gepflegte Schützenkultur. Solche Bilder kommen beim Schützen­ausmarsch ausschließlich dank auswärtiger Teilnehmer zustande, vor allem der westfälischen. Als Meister dieses Fachs sind die Nachbarn „Schützengesellschaft Bad Salzuflen“ und „Schützengesellschaft Schötmar“ zu nennen. Die Salzufler haben anscheinend jedes ungerade Jahr Zeit, während die Schötmaraner 2017 und 2018 da waren. Auf die unweigerliche Frage, ob es sich bei den Frauen um die privaten Partnerinnen der Schützen oder um Schützenköniginnen handelt, dürfte die richtige Antwort sein, daß beides möglich ist.
 
 

Hier und da wird man noch weitere Gruppen solchen Formats entdecken, die entweder in der Zugaufstellung aufgeführt sind oder auch nicht. Hier die Beispiele „Tanzkreis Haste“ (o.l.), Darsteller im Block der „Schützenbruderschaft Das Große Freie“ (o.r.), eine Gruppe bei der BSG Herrenhausen (u.l.), und niedersächsische PR-Königinnen wie Heide-, Spargel-, Kartoffel-, Rapsblüten-, Erdbeerkönigin, usw. (u.r.).
 
 




- TRACHTENARTIGES -

Historische Militäruniformen (im weiteren Sinne)
Schützenumzüge speisen ihre Leistung aus der Tatsache, daß die Teilnehmer echte Ausübende sind, keine bloßen Darsteller. Freundeskreise historischer Militär­uniformen werden daher für den Schützenausmarsch nicht herangezogen (die SG H.F. Wennigsen könnte man allerdings in jener Sparte einsortieren; s. „Die Schützenvereine“). Trotzdem rutschen immer einige Einzelleute oder Teileinheiten derartigen Aufzugs hinein, praktisch immer von außerhalb und ohne daß man sich anhand der Zugaufstellung drauf vorbereiten könnte. Ob aus einem Schützen-, Musik-, Faschings-, Trachten- oder sonstigen Verein stammend, läßt sich kaum ausmachen - es ist wohl die Schnittmenge zwischen allen. Beispiele:
 
 
   

Wagenbegleiter werden oft überhaupt nicht in den Kontext eingebunden. Wie man es besser macht, ist im Umfeld der historischen Feuerwehrautos zu beobachten (links und Mitte). Der Kollege rechts paßt als „Recke“ auf, daß rund um die Kutschen des Hannöverschen Traditionscorps nichts passiert …
   

Ein Gruppe ohne jedes Gegenbeispiel bilden die „Schlachtschwertierer“. Bereits vor fast 200 Jahren wurden sie innerhalb der „Schützengesellschaft Horn“ aus Westfalen-Lippe aufgestellt, um an eine Sage zu erinnern, die sich um ein etwaiges Vorkommnis des Jahres 1485 rankt. Der Lippische Graf soll damals auf der Burg Calenberg (Schulenburg/Pattensen) gefangen gehalten worden sein. Daraufhin wären die Horner Bürger dort kurzerhand eingebrochen, um ihn zu befreien, sowie als Beute die Schwerter und Kettenhemden mitzunehmen. Nach der Burg ist übrigens das Calenberger Land benannt, und nach diesem wiederum die Calenberger Neustadt, zu deren Gebiet der Schlußabschnitt der Schützen­ausmarsch-Strecke und der Schützenplatz gehören. So schließt sich der Kreis, wenn die Schlachtschwertierer gefühlt etwa alle drei Jahre mitmarschieren:
 

Ob „Die Geneiter“ der „Burgdorfer Schützengesellschaft“ nach ihrer Teilnahme 2018 nun öfters dabei sein werden, weiß man nicht. Zu wünschen wäre ihr stellvertretender Anschauungsunterricht unbedingt. Dieser Trupp hält beim Schützenfest in Burgdorf die Tradition aufrecht, morgens durch die Straßen zu ziehen und die Bürger zur Teilnahme an den Schießwettbewerben (und mithin am Umzug) aufzufordern, genau so wie es das früher in Hannover auch gab! Ihr heutiger Name ist aus einer Zeile des Werbespruchs abgeleitet: „We will mit geneiten“ - auf Hochdeutsch „Wer will mit genießen“. Im Spruch für die Bürger Hannovers kam dieses Wort ebenfalls vor.

Bergmannsvereine
Um Bergmannsvereine aufzubieten, muß nicht etwa auf den Harz zurückgegriffen werden. Mit allerdings immer kleiner werdenden Abordnungen nehmen im Grunde jedes Jahr „Glück-Auf Barsinghausen“ und „Hildesia Giesen“ teil, beide aus dem Raum Hannover. Zur düsteren Kluft tragen die Barsinghäuser gelb-weiße Vereins­kennzeichen, die Giesener gelb-schwarze.
 

Landschaftliche Trachten
Als Trachtenhochburg rühmt sich das Schaumburger Land, ein Gebiet mit gut 150.000 Bewohnern, das nicht weit west-südwestlich vor den Toren Hannovers beginnt und sich bis zur nordrhein-westfälischen Grenze hinzieht. Zwar werden Schaumburger Trachten bei fast jedem Schützenausmarsch vorgeführt, dies aber von wechselnden Kulturvereinen in unterschiedlichen örtlichen Ausprägungen. Auf den weißen Kittel der Männer ist als Konstante aber offensichtlich Verlaß.
 
 

Weitere Regionaltrachten könnten z.B. gezeigt werden von der Langenhagener Volkstanzgruppe „Blickspeeler Wuppdichs“ (o.l.), einem Schützenverein wie hier diesem brandenburgischen (o.r.), einer ausländischen Gruppe wie hier polnischen Mädels (u.l.), oder Marketenderinnen der immer anwesenden niederländischen Kapelle „De Blaaskinkels“ (u.r.):
 
 

Einzelfiguren
Einzelfiguren sind sehr rar gesät. Der - rattenlose - Rattenfänger von Hameln und der Lindener Nachtwächter müssen hier vielleicht bald aussortiert werden, da sie schon einige Jahre nicht mehr gesichtet wurden. Von Till Eulenspiegel fehlt noch ein Bild. Allen drei Figuren ist gemeinsam, daß sie nie in der Zugaufstellung stehen. Anders verhält es sich beim einst in Hannover gewirkt habenden Universalgenie Gottfried Wilhelm Leibniz. Das groteske Zusammenspiel mit dem Segway-Roller erklärt sich übrigens damit, daß von ihm auch Stadtführungen in dieser Art angeboten werden.
   




- WEITERE FUßGRUPPEN -


Schrebergärtner
Zwischen Kleingärtnern und Schützen sind die Beziehungen nicht die schlechtesten. Mehrere hannoversche Schützenvereine gingen aus Kleingartenkolonien hervor (Feierabend, Tannenkamp, Grenzburg, Hahnenburg), wovon allerdings keiner mehr existiert. Auf dem Schützenplatz feiern sie in einem der Festzelte ihren „Kleingärtnertag“. Außerdem kümmern sich der „Fanfarenzug der Schreberjugend Hannover“ und der „DSJ-Fanfarenzug Duingen“ um die Begleitung der Schützen. Am Schützenausmarsch beteiligen sich die Kleingärtner traditionell in größeren Scharen, wenn auch nichts Nennenswertes dabei herumkommt, abgesehen natürlich von der herrlichen Banner- und Fahnenparade.

Grundsätzlich können auch verschiedenste andere Gruppen beim Schützen­ausmarsch mitgehen. Zwar werden dem Treiben sicherlich irgendwo Grenzen gesetzt, jedoch nur hinsichtlich der Masse, während die Ausrichtung beileibe egal ist. So erstreckt sich der Reigen von Feuerwehren, Soldatenverbänden und Jägerschaften über die Mittelalterszene bis zum Expo-2000-Gedenkverein samt Maskottchen Twipsy. Sportler sowie Fans von Sportmannschaften sind immer dabei, einerseits vor allem wechselnde Rugby- und American-Football-Vereine, der „1. Hannoversche Cheerleader-Verein“ und neuerdings Dartspieler, andererseits die Fans des Eishockeyklubs EC Hannover mit ihren blau-weiß-roten Fahnen. Zum Standardprogramm gehören ferner außereuropäische Ethno-Gruppen, Rollstuhl­fahrer, homosexuelle Aktivisten und eine Dragqueen. Inwieweit diese unfestlichen Gruppen im Gesamtbild auffallen, davon kann sich mit den auf der Unterseite „Filmverzeichnis“ verlinkten Videos jeder selbst einen Eindruck verschaffen.




- NIEDERSACHSENMEUTE -

Eine eigentümliche Nummer ohne nähere Verwandtschaftsbeziehungen zum Rest des Feldes könnte man gut und gern als heimlichen Star des Schützenausmarschs bezeichnen. Sie besteht aus Hunden, Pferden und Reitern, die sich das Jahr über in Form eines „Schleppjagd“-Vereins in und um Dorfmark (Lüneburger Heide) aufhalten. Für den Schützenausmarsch mutet der Name „Niedersachsenmeute“ vielleicht etwas kämpferisch an, innerhalb der überschaubaren Jagdreiterszene ist dies jedoch der übliche Namensaufbau. Beim Jagdreiten braust die ganze Truppe unter Führung der Hunde entlang einer vorher gelegten Duftspur durch wildes Gelände; s. diesen Einblick. In Hannover ist das natürlich nicht der Fall. Hier versuchen die Reiter einen Rahmen zu bilden, worin sie die knapp 20 Hunde mit Stopps und Sprinteinlagen geschlossen über die Strecke leiten. Dennoch gehört es zur Schau, daß aus dem wuseligen Knäuel ständig welche kurzfristig ausbrechen. Als hätten die Zuschauer nicht eh schon mit dem Verarbeiten der ausgefallenen Erscheinung zu ringen, müsse sie obendrein auch die widersprüchlich anmutende Lautlosigkeit der Dynamik fassen. Hier, hier (ab 3:19) und hier mal ein paar Durchläufe. Niemand sollte diese anspruchsvolle Nummer unachtsam versäumen. Sie unterstreicht wirklich treffend die Ausnahmestellung des Schützenausmarschs. Einzigartig ist sie aber nicht mehr, seit ein anderer Schleppjagdverein verschiedene Festumzüge in süddeutschen Kleinstädten bereichert.